Ein Tag nach der Wahl in Niedersachsen war die Stimmung an den deutschen Börsen so gut wie lange nicht mehr. Standardwerte verbuchten am Montag von wenigen Ausnahmen abgesehen durchweg zweistellige Kursgewinne. So stiegen beispielsweise Siemens um elf Mark, Deutsche Bank um sechzehn Mark und Commerzbank um zehn Mark. Die Farbennachfolger Bayer und BASF gewannen fünfzehn beziehungsweise elf Mark.

Jetzt sind deutsche Aktien offensichtlich wieder gefragt, von Zinsängsten war auf dem Parkett zum Wochenbeginn jedenfalls nichts zu hören. Und nicht nur das Ausland stand auf der Käuferseite, auch inländische Aktionäre hatten die Banken mit Kaufaufträgen eingedeckt. Vorbörslich waren auf den Monitoren in den Kreditinstituten fast nur Geldkurse zu sehen. Viele Käufer wollten also schon vor Börsenbeginn ihre Schäfchen ins Trockene bringen, doch scheiterte das in den meisten Fällen am fehlenden Angebot.

Unter Börsianern wird nun darüber spekuliert, ob die deutsche Börse dem Beispiel des niederländischen Aktienmarktes folgen wird. Nach dem Wahlsieg der holländischen Konservativen vor rund zwei Monaten machten die Kurse an der Amsterdamer Börse einen kräftigen Sprung nach oben. "So etwas käme gerade recht", lautete die einhellige Meinung der Händler.

Wenigstens ein kleines Fragezeichen muß man hinter die flotten Kurssteigerungen vom Montag aber setzen. Hier und da wurden bei deutschen Kreditinstituten auch größere Verkaufsorder ausländischer Kunden registriert. Es ist durchaus möglich, daß diese Investoren jetzt die günstige Börsensituation getreu dem Motto soll on good news zu Verkäufen nutzen.

Sollte sich dieser Trend in den nächsten Tagen fortsetzen, könnte das die Euphorie nach der Niedersachsenwahl schnell wieder dämpfen. Denn am Grundübel des deutschen Marktes, der außerordentlich hohen Abhängigkeit der Kursverläufe von den Anlagenentscheidungen des Auslands hat auch die Landtagswahl nichts geändert.

Vielleicht fährt sogar der besser, der geplante Aktienkäufe in den nächsten Tagen zurückstellt und wartet, bis die Normalität wieder am deutschen Markt Einkehr hält. bm