Der Salz-II-Vertrag verpflichtet die beiden Supersalzproduzenten Amerika und Sowjetunion, ihre Salzerzeugung und -vorräte zu begrenzen. Zur Zeit können die Amerikaner jede russische Borschtsch-Suppe 2720mal versalzen, die Russen jeden amerikanischen Cheeseburger 2387mal ruinieren. Kann uns schon bei so geschmacklosen Drohungen der Appetit vergehen, so dreht sich einem geradezu der Magen um, wenn man weiß, daß die Salzvorräte der Supermächte ausreichen, um aus der ganzen Menschheit 503mal Pökelfleisch zu machen.

Der Salz-II-Vertrag war schon ausgehandelt und unterschriftsreif, als Caspar Salzberger, der Chef von Reagans Küchenkabinett, in seiner Quiche ein russisches Salzkorn entdeckte, worauf er beschloß, Moskau den Geschmack an solcher Vertragsverletzung gründlich zu versalzen.

In einer gepfefferten Rede forderte er sie auf, endlich die Inspektion der russischen Küche zuzulassen, glaubte er doch, dort gewisse Geheimrezepte – etwa die im Salz-II-Vertrag ausdrücklich untersagte Würzung mit Knoblauchsalz – zu wittern, mit deren Hilfe der Kreml die vereinbarte salzarme Schonkost nach seiner Meinung unterlaufen wolle. "Wir lassen uns kein Salz in die Augen streuen", hieß es dazu in Washington. Darauf erklärte Moskau, die Amerikaner seien nur darauf aus, Salz in offene Wunden zu reiben und gefährdeten durch ihre "Politik der versalzenen Suppen" den Gewürzfrieden.

Als die Amerikaner als Geste guten Willens zwei Salzfässer im Ozean versenkten, entschärften sie damit nicht die Situation. Und als daraufhin die Russen ihren siebenunddreißigsten "Salz und Brot"-Vorschlag machten, nämlich sämtliche Salzstangen einzufrieren, sprach Reagan in einer gesalzenen Rede von "Süßholzraspelei" und ordnete neue Tests im Gebiet um den Salzsee von Utah an. Angeblich hatten die Sowjets den Salz-II-Vertrag verletzt, indem sie insgeheim an einer neuen Pfeffermühle arbeiteten, mit deren Hilfe sie sämtliche bei amerikanischen Kindern beliebten Eissorten verderben könnten. Auf diese Beschuldigung meinten die Russen, das sei die Sprache von Pfeffersäcken, und protestierten gegen die von Reagan geforderte Entwicklung der PAI (Pfeffer-Abwehr-Initiative).

Dieser Disput erinnert an das Wort von den vielen Köchen, die den Brei verderben. Und die Forderung besorgter Friedensfreunde nach einem – natürlich salzlosen – Weltgericht hinterläßt einen eher faden Nachgeschmack, schon wegen der ominösen Nebenbedeutung.

Um so erfreulicher die sensationelle Meldung, wonach die Chefs der Supermächte ihren nächsten Geheimgipfel auf einem Salzberg abhalten werden, der ganz in der Nähe einer berühmten österreichischen Festspielstadt liegt.