Die amerikanische Regierung will ihre Wirtschaftsprobleme exportieren. Der Dollar soll weiter sinken.

Ronald Reagan steht vor einem schier unlösbaren Problem: Er soll das Haushaltsdefizit und das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht beseitigen, ohne die Vereinigten Staaten in eine Rezession zu stürzen.

Ein Abbau des Haushaltsdefizits verlangt entweder eine Reduzierung der öffentlichen Ausgaben oder eine Steuererhöhung. Beides würde der amerikanischen Konjunktur schaden und kommt daher nach Reagans Vorstellungen nicht in Frage. Im Gegenteil, der amerikanische Präsident möchte viel lieber mit einer revolutionären Steuerreform die Steuerlast der amerikanischen Bürger drastisch senken und so in die Geschichte eingehen.

Für die Verringerung des Leistungsbilanzdefizits wäre es notwendig, die Zinsen zu senken. Von einer solchen Maßnahme wollen die amerikanische Regierung und mit ihr die Notenbank allerdings nichts wissen, weil sie ernste Inflationsgefahren heraufbeschwören und den Kapitalstrom in die USA zum Versiegen bringen würde. Letzteres können sich die Amerikaner schon gar nicht leisten, weil sie noch für längere Zeit auf Auslandskapital angewiesen sind, also auf Pump leben müssen. Ein Haushaltsdefizit von rund zweihundert Milliarden Dollar können sogar die Amerikaner nicht von heute auf morgen abbauen.

So kompliziert Reagans Aufgabe ist, eines zeigt ihre Beschreibung ganz deutlich: Die amerikanische Regierung hat sie sich selbst gestellt, und die Suche nach einer Lösung ist deswegen so schwierig, weil unpopuläre, konjunkturhemmende Maßnahmen nicht in Betracht kommen.

Was also tun? Die Antwort der Reagan Administration, allen voran US-Finanzminister James Baker und nun auch Notenbankchef Paul Volcker, heißt: Wechselkurs. Ein niedrigerer Dollarkurs soll die Importwelle in die USA abebben lassen und die Exporte wieder ankurbeln. So würde das Leistungsbilanzdefizit beseitigt, und die Regierung hätte Zeit, das Haushaltsdefizit zu verringern.

Tatsächlich ist diese Lösung aber nichts anderes als ein Export des Problems ins Ausland, vor allem nach Japan und in die Bundesrepublik. Diese Länder sollten nach den Vorstellungen der amerikanischen Regierung mit einer rigorosen Ankurbelungspolitik in die Bresche springen. Die Deutsche Bundesbank sollte Zinsen weiter senken, und die Bundesregierung müsse zum Beispiel mit Steuersenkungen die Binnennachfrage und damit auch die Importe steigern. Im Grunde fordern die Amerikaner ein Konjunkturprogramm ohne Rücksicht auf künftige Inflationsgefahren.