Der Jesuitenpater Augustin Rösch war der stärkste Mann des Katholizismus gegen die Nazis

Von Ekkehard Klausa

Am 2. Adventssonntag des Jahres 1941 sollten sämtliche Diözesanbischöfe und Ortspfarrer einen gemeinsamen Hirtenbrief der deutschen Bischöfe von der Kanzel verlesen. Seine Kernsätze:

"Deutsche Katholiken! Wir stehen in Stunden größter Entscheidung. An der Front werden des Reiches und der Staaten Geschicke geschmiedet... Aber auch in der Heimat tobt ein Kampf... Behörden der Partei und des Staates bekämpfen die Kirche und verletzen Recht und Vertrag... Zahlreiche Priester sind unschuldig ihrer Freiheit beraubt, nur weil sie mutig und treu ihre Priester- und Hirtenpflicht erfüllt haben... Mit noch größerem Schmerz beklagen wir es aber, daß selbst die von Gott in seiner Schöpfungsordnung gelegten unverrückbaren Gesetze mißachtet und verletzt wurden ... Wir meinen ... das naturgesetzliche Recht auf persönliche Freiheit. Tausende von Männern und Frauen schmachten in den Sammellagern der Geheimen Staatspolizei, ohne jemals vor einem unabhängigen Richter einer Schuld überführt zu sein... Niemand kann die Gewaltmaßnahmen der Geheimen Staatspolizei überprüfen und niemand hindert sie, nach Belieben über Tod und Leben zu verfügen... Tausende von Geisteskranken wurden im Zuge sogenannter planwirtschaftlicher Maßnahmen des Staates getötet... Darum richten wir öffentlich und feierlich im Namen Gottes an die Staatsführung den Aufruf, diesem Treiben ein Ende zu machen, bevor es zu spät ist... Euch aber, katholische Christen Deutschlands, rufen wir auf: seid treu!... Seid treu unserem Herrgott! Wo immer Menschen Ordnungen und Entscheidungen gegen ihn und sein Gesetz erzwingen wollen, da seid unerbittlich..."

Mit Recht sagt der Herausgeber des hier zu besprechenden Buches, der Münchener Jesuitenpater Bleistein, von diesem Hirtenwort: "Im Stile einer großen Abrechnung wurden nicht nur die Rechte der Kirche, sondern die Rechte des Menschen schlechthin eingeklagt." Aber: dieses gemeinsame Hirtenwort, geplant für den 2. Adventssonntag 1941, ist nie verlesen worden! Es blieb beim Entwurf. Immerhin 24 Diözesanbischöfe, die große Mehrheit, hatten für die Verlesung gestimmt. Aber der Breslauer Kardinal Bertram, Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz, verhinderte sie durch sein Veto.

Statt dessen wurde der Hirtenbrief in eine Eingabe an die Reichskanzlei umgearbeitet, die ohne Antwort blieb. Daraufhin entstand ein zweiter, abgemilderter Hirtenbrief. Dessen gemeinsame Verlesung im März 1942 scheiterte wiederum "an den Vorbehalten und Ängsten einzelner Bischöfe" (Bleistein). Immerhin verlasen mehrere Bischöfe ihn von der Kanzel, in einigen Diozösen sogar die Pfarrer.

Im Kreisauer Kreis