Ein wohldotierter Vorstandsposten beim größten deutschen Stromerzeuger ist hart umkämpft

Heinz Heiderhoff, Vorstandsmitglied der Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG (RWE) in Essen und ehedem Oberstadtdirektor in Mülheim an der Ruhr, hat unfreiwillig für einen Streit um seine Nachfolge gesorgt. Weil er – wohl aus gesundheitlichen Gründen – nicht erst Ende 1987, sondern schon Ende dieses Jahres in Rente gehen möchte, ist die Zeit für die Weichenstellung so verkürzt worden, daß sie nicht in gewohnter Manier hinter den Kulissen, sondern in aller Öffentlichkeit stattfindet.

Dabei sah es schon so aus, als sei das Spiel zwischen dem RWE und seinen kommunalen Aktionären – eine Broschüre nennt die beiden "ein starkes Gespann" – schon gelaufen. Denn der Verband der kommunalen Aktionäre des RWE (VkA) hatte schon den Essener Oberstadtdirektor Kurt Busch dazu auserkoren, Heiderhoffs Nachfolge anzutreten.

Diese Art, Vorstandsmitglieder auszuwählen, ist beim RWE seit einer Reihe von Jahren üblich. Die Kommunen, die zwar nur 31 Prozent der Aktien, aber gut sechzig Prozent der Stimmen haben, beanspruchen für sich, zwei der Plätze im derzeit siebenköpfigen Vorstand mit Männern ihrer Wahl zu besetzen. Früher einmal begnügten sie sich mit einem einzigen Vertreter, aber dann setzte sich doch die Erkenntnis durch, daß zwei Posten besser seien. So konnte nämlich je ein Anhänger von CDU und SPD in den RWE-Vorstand gehiewt werden.

Vor zwölf Jahren traten folglich gleichzeitg der Oberstadtdirektor Heiderhoff (SPD) und der Oberkreisdirektor Werner Rinke (CDU) in die Exekutive des RWE ein. Aber beim RWE wehrte man sich vehement gegen die Interpretation, es handele sich hier um Parteienproporz. Die Wahl von Heiderhoff und Rinke wurde vielmehr damit begründet, daß man sowohl einen Vertreter der Großstädte als auch einen der Landkreise im Vorstand haben wolle.

An dieser Version läßt sich nun nicht mehr festhalten. Der Nachfolger des Ende 1985 ausgeschiedenen Rinke ist zwar wieder ein CDU-Mann, keineswegs aber ein Oberkreisdirektor. Vielmehr bestellte der Aufsichtsrat den früheren Oberstadtdirektor der linksrheinischen Gemeinde Neuß, Franz Josef Schmitt. Und mit Kurt Busch, dem Wunschkandidaten des VkA für die Heiderhoff-Nachfolge, ist zwar ein SPD-Mann, keineswegs aber ein Vertreter ländlicher Regionen präsentiert worden.

Ob aber der Aufsichtsrat Busch tatsächlich auf den Schild hebt, ist ungewiß. Ausgerechnet der Essener Oberbürgermeister Peter Reuschenbach (SPD) – der führende Kommunalpolitiker der Gemeinde also, in der Busch Oberstadtdirektor ist – hat Bedenken angemeldet. Er und andere Revieroberbürgermeister haben nämlich einen anderen Kandidaten ausgeguckt – den Arbeitsdirektor der Ruhrkohle, Fritz Ziegler. Auf ihn fiel das Wohlgefallen der SPD-Oberbürgermeister, so sagte es Reuschenbach der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, nachdem Busch noch im Januar versichert habe, er wolle lieber Oberstadtdirektor in Essen bleiben als in den RWE-Vorstand eintreten.