Von Peter Müller

Schönböken/Kiel

Neunzehn Feuerwehrleute haben ihre Arbeits- und Ausbildungsstellen für eine Woche verlassen und sind ins abgelegene Schönböken aufs flache schleswig-holsteinische Land gezogen. Ein malerisch heruntergekommenes Herrenhaus am Ort beherbergt die Katastrophenschutzschule des Landes. Dort wollen und sollen die Feuerwehrleute lernen, wie man atomare Verseuchung aufspürt und die nötigen Maßnahmen ergreift. Im Katastrophenfall werden sie dann von ihren heimischen Wehren in Einheiten des Zivilschutzes delegiert, wo sie in ABC-Zügen atomare, biologische und chemische Gefahren vom Volke abwenden sollen.

Im ersten Teil dieses Lehrganges, der etwa jedes halbe Jahr aufs neue beginnt, werden die Helfer mit der Theorie in Sachen ABC-Schutz vertraut gemacht. So jedenfalls sieht es der Stundenplan vor. Die Lehrkraft, ständig bemüht, kämpft zwischen Pult und Tafel derweil mit den physikalischen Grundgrößen. Die Motivation der Schüler sinkt ob des dargebotenen physikalisch-didaktischen Chaos’ deutlich und manifestiert sich bald in bildhaften Unmutsäußerungen.

Doch soll dem theoretischen Fundament nicht zuviel Bedeutung zugemessen werden, die Devise heißt hier: Handeln. Vorgeführt, begutachtet und ausprobiert werden also die Requisiten, die im Fall des Falles schützen und heikle Arbeiten ermöglichen sollen. Angesichts der dargebotenen Ausrüstung ziehen die Männer die Augenbrauen in die Höhe.

An Gerätschaften in alter Technik sind sie aus ihren Wehren zwar gewöhnt, aber diese Gasmasken hier, die in den Lagerräumen des Zivilschutzes für sie bereitliegen? Das eigene Leben kann von dem graugrünen Gummistückchen vorm Gesicht abhängen, wenn einmal die Stunde schlägt. Die Technik dieser Gasmasken stammt aus den fünfziger Jahren: zähes, unflexibles Gummi, kleine Glasfenster vor den Augen, ein enges Gesichtsfeld und nur eine einfache Dichtung rundherum. Dabei sind doppelte Dichtlippen aus weichem Material heute längst Standard bei den Masken in den Löschfahrzeugen, daheim.

Größtes Ausrüstungsteil ist ein orangerotes, zweiteiliges "Overgarment", ein fester Allwetteranzug. Durch Baumwolle auf Mineralfaser "wird ein Eindringen von radioaktivem Fallout oder von Krankheitserregern auf die Haut verhindert". Eine Schicht Aktivkohle soll vor üblen Gasen und Dämpfen schützen. Jacke wie Hose werden an allen Öffnungen mit Klettband und Kordeln abgedichtet, bis nur noch das Gummi der Stiefel, Handschuhe und Gasmaske herausschaut. "Vergeßt nicht, die Kapuze immer schön fest zuzuschnüren!"