Von Manfred Berger, Wolfgang Gibwoski und Dieter Roth

Bei der Landtagswahl in Niedersachsen ist die bisher allein regierende CDU noch einmal mit dem Schrecken davongekommen. Gemeinsam mit der FDP, die ihr Ergebnis von 1982 geringfügig verbesserte, hat die CDU nun gerade noch einen Sitz mehr als SPD und Grüne. Der landesweite Verlust der CDU von 6,4 Prozentpunkten bedeutet den Verlust von 22 Direktmandaten, die von der SPD gewonnen wurden.

Die Gewinne der SPD und die Verluste der CDU verhalten sich spiegelbildlich: Die CDU verlor im ganzen Land an Stimmen; auffallend große Verluste mußte sie in den ländlich geprägten Gebieten um Lüneburg und im Weser-Ems-Land hinnehmen. Je besser 1982 das Ergebnis der CDU war, desto größer sind nun ihre Verluste und um so höher fallen die Gewinne der Sozialdemokraten aus.

Die sehr viel geringeren Gewinne der Grünen und die noch kleineren Zugewinne der FDP zeigen unterschiedliche Tendenzen. Die Grünen gewannen dort, wo sie bereits 1982 gut abgeschnitten hatten, etwas mehr hinzu als im Land insgesamt: in den bürgerlichen Gebieten der Großstädte ebenso wie in den ländlichen Regionen. Die FDP dagegen hat ihre Strukturen leicht verändert: Sie verlor in städtischen Bezirken und gewann in ländlichen dazu.

Vor der Wahl gab es viele Mutmaßungen über das Abstimmungsverhalten der Landwirte. Noch kurz vor der Wahl hatte die Regierung den Versuch unternommen, Unzufriedenheit und Verdrossenheit finanziell zu mildern. Die Analysen zeigen, daß dies, wenn überhaupt, nur bedingt gelang. Auf dem Lande sind die Verluste der CDU am größten. Dort, wo in Niedersachsen die Landwirtschaft noch prägende Kraft besitzt, verlor die Union bei unveränderter Wahlbeteiligung acht Prozentpunkte, während die SPD sieben Prozentpunkte einheimste.

Unsere Umfrage wenige Tage vor der Wahl bestätigte, daß die Wähler in den ländlichen Regionen irritiert waren. Von den in der Landwirschaft Tätigen – sie gehören normalerweise zu den neuesten Wählern der CDU – wollte fast jeder dritte nicht zur Wahl gehen. Aber auch in den anderen Berufsgruppen gab es im Vergleich zu 1982 viele Veränderungen: Bei den Facharbeitern konnte die SPD ihren Vorsprung deutlich ausbauen; bei den Angestellten und Beamten hat sich der bisher große Vorsprung der CDU zugunsten der SPD verringert. Die Grünen haben vor allem in der Schicht der leitenden Angestellten und Beamten kräftig zugelegt. In dieser Berufsgruppe, und seit dieser Wahl auch wieder bei den Selbständigen, liegen nun auch die Schwerpunkte der FDP.

Der knappe Wahlausgang für Union und FDP hat Gründe. Die Niedersachsen waren mit der Oppositionsrolle der SPD in gleichem Maße zufrieden wie mit der Arbeit der mit absoluter Mehrheit regierenden CDU. 1982 hatte die CDU-Regierung noch einen großen Vorsprung bei der Leistungsbeurteilung gehabt.