Düsteres prophezeite jüngst Werner J. Sacher, Markt- und Kommunikationsforscher aus dem bayerischen Großrohrsdorf der deutschen Geschäftshotellerie. Schon in fünf bis zehn Jahren, äußerte der Experte in einem Referat vor Fachleuten der "Food & Beverage Management Association", würde ein großes Marktsegment als Nachfragegruppe ganz ausfallen: das Mittelmanagement und das Vertretergewerbe.

Der Grund für diesen bevorstehenden Verlust liegt nach Sacher beim Handel und bei den Discountketten, die gegenüber der Industrie ungewöhnlich aggressiv ihre Marktmacht ausspielten. Die Reaktion der Industrie: Rationalisierung im Eiltempo, Freisetzen von Arbeitskräften. Diese Veränderungen werden sich nach dem bayerischen Marktforscher auch deutlich auf die Hotelbranche auswirken: Insgesamt wird die Zahl der Business-Gäste sinken, die Hauptbetroffenen werden die Häuser der mittleren Preisklasse sein – denn es ist damit zu rechnen, daß künftig selbst die wenigen noch verbleibenden Manager der mittleren Ebene weniger aufwendig als bisher reisen werden.

Als Konsequenz dieses Wandlungsprozesses prognostiziert Sacher eine Polarisierung des Hotelmarkts, der Geschäftsreisende bedient. Es wird eine neue mittlere Kategorie entstehen, die preiswerter ist als die bestehende – Vorreiter sind die Intercity-Hotels, die derzeit von der Bundesbahn eingeführt werden. Die Luxuskategorie bleibt als zweite Logiermöglichkeit für Business-Leute bestehen – mit einem Rückgang der Reisehäufigkeit von Spitzenmanagern ist nämlich auch in Zukunft nicht zu rechnen.

Es lohnt sich also laut Sacher für die Hoteliers, die hohen und höchsten Einkommensklassen der Geschäftsreiseklientel als Zielgruppe besonders zu hätscheln. Deren Bedürfnisse hat der bayerische Forscher ebenfalls erkundet – in einer speziellen Untersuchung fragte er 300 deutsche Spitzenmanager nach ihrer Meinung zur deutschen und internationalen Hotellerie.

Am kräftigsten kritisiert wird danach das Preis-Leistungs-Verhältnis in den Hotels. 40 Prozent der Manager finden, daß "die Hotels viel zu teuer sind", 32 Prozent meinen, die Häuser seien "relativ teuer", und nur 15 Prozent sagen, die Hotelpreise seien "normal". "Ganz gut" beurteilen lediglich sieben Prozent der Befragten die Relationen von Preis und Leistung, nur ein Prozent will schließlich die Note "sehr gut" vergeben.

Deutliche Unterschiede zu ähnlichen Erhebungen bei Gästen von Ferienhotels ergeben sich bei der Frage, "was Topmanager an ihrem Hotel schätzen". Im Gegensatz zu den Urlaubern steht den Profis der Sinn nicht nach "Gemütlichkeit", auch auf "individuelle Ansprache" oder "die Qualifikation des Services" wird wenig Wert gelegt: Alle diese Merkmale rangieren auf der Notenskala der Studie (1 steht für höchste Wertigkeit, 6 für niedrigste Wertigkeit) nur unter ferner liefen. Mit der Note 1,6 hingegen bewerten die Manager die Forderung an ihr Hotel, es müsse sich für "Geschäftsbesprechungen" eignen. Ebenso müßten dort "größere Tagungen" abgehalten werden können (Note 1,8). Eine überraschend geringe Bedeutung messen die Manager der "Attraktivität des Hotel-Restaurants", "bequemen Zimmern" oder dem "Entspannungsangebot" bei. Auch die Merkmale "Freundlichkeit des Personals" und "Informationen zur Abendgestaltung" erhalten im Durchschnitt die niedrige Note 4.

Die meisten der von Top-Managern frequentierten Hotels scheinen allerdings den Ansprüchen zumindest zu genügen, denn immerhin 60 Prozent geben an, immer im "gleichen Hotel" einer Stadt abzusteigen. Als Gründe dafür nennen die Spitzenleute: "wegen der Lage" (82), "wegen des guten Namens des Hotels" (43), "aus Gewohnheit/Sekretärin bucht" (52), "gefällt mir immer noch am besten" (44) und "ist relativ preiswert" (32).

Veit Burgenländer