Von Jutta Wilhelmi

Ein gewisses Verständnis für die Kollegen mag Hessens ehemaliger Kultusminister Ludwig von Friedeburg nicht verhehlen. Immerhin schlucken die Personalkosten doch einen erheblichen Teil der Staatsfinanzen. Doch Einsparungen müßten "in vernünftigen Proportionen bleiben und nicht immer hü und hott verlaufen". In vernünftigen Proportionen aber bleiben die Stellenstreichungen, auch Kahlschlag genannt, nun ganz und gar nicht auf dem Arbeitsmarkt Schule. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft weiß, wovon sie spricht.

Derzeit reiben sich GEW und andere Lehrerverbände wund an der Ungerührtheit, mit der der öffentliche Arbeitgeber seinen Rotstift ansetzt. Von Arbeitszeitverkürzung ist nicht mehr die Rede und ebensowenig von einem "Einstellungskorridor" für junge Lehrer. Diese Empfehlung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung ist schon im letzten Jahr von den Finanzministern abgebügelt worden, später von den Ministerpräsidenten als unverbindlicher Rat an die einzelnen Bundesländer gegangen, nach dem Motto: Jeder kann es halten wie er will.

Seit Oktober letzten Jahres ist Sendepause, nichts geht mehr. 70 000 gut ausgebildete Lehrer – wie viele meinen, die besten in der Geschichte der Bundesrepublik – stehen derzeit vor den Türen der Schulen und warten.

Manche haben bereits aufgegeben, versuchen sich von der Wirtschaft oder der Bundesanstalt für Arbeit umschulen zu lassen und jenseits des alten Berufswunsches Fuß zu fassen. Die wenigen Stellen, die noch von den Schulämtern besetzt werden, sind eher Almosen als Zeichen einer umsichtigen Bildungsplanung. 6000 Junglehrer im Jahr, in der gesamten Bundesrepublik. Dabei handelt es sich nicht einmal um volle Stellen.

Daß die Öffentlichkeit dies alles sowenig bewegt, kann den Finanz- und Kultusministern nur recht sein, es erleichtert ihnen das Streichen. Die Gleichung – weniger Kinder, weniger Schüler, weniger Lehrer – scheint so einleuchtend, daß sie keinen Widerspruch hervorlockt. Wer denkt schon weiter bis zum Jahr 2000? Das aber scheint besonders ratsam. Es gibt ein Gutachten, das nachdenklich stimmt.

"Der Teilarbeitsmarkt Schule in den 90er Jahren", von Hermann Budde und Klaus Klemm im Auftrag der Max-Träger-Stiftung (Unterlindau 58, 6000 Frankfurt/Main), Essen 1986,