Nach der, Niedersachsen-Wahl endet der rot-grüne Flirt. Die Rivalität zwischen den beiden Oppositionsparteien tritt schärfer hervor.

Von Margrit Gerste und Gunter Hofmann

Die Machtverhältnisse in der Republik scheinen nun, jedenfalls auf den ersten Blick, wieder festgezurrt zu sein. Wie aber findet sich, nach den Wahlen, die Opposition damit zurecht?

Eine Erfahrung, die viele verblüfft hat, wird sich noch auswirken: "Nach Tschernobyl", wie das Datum heißt, schlugen die Wogen der öffentlichen Erregung in der Bundesrepublik besonders hoch, vermutlich haben wir dabei jedes Nachbarland übertroffen. Wie naheliegend war es anzunehmen, daraus werde die "Stunde der Opposition". Aber Sachpositionen, persönliche Betroffenheit sowie Wahlverhalten klaffen eben doch, wie sich zeigt, weit auseinander. "Was soll denn noch geschehen?" fragen viele, nicht nur Sozialdemokraten und Grüne.

Die SPD mag sich noch ein bißchen mehr Rückenwind versprochen haben, die Grünen mögen enttäuscht sein, wirklich beklemmend ist aber am Ende – jenseits der Zählweise der Parteien –, daß die Politik sich nicht einmal sonderlich besinnen mußte, um glimpflich davonzukommen.

Es kann sogar sein, daß sich "nach Tschernobyl" und nach den Wahlen die Lage der Opposition stärker verändert, als man ahnt: Bisher hat sie sich nicht allein, aber auch nicht zuletzt danach bestimmt, wie Kohl und die Koalition regieren. Deren Schwächen waren Wasser auf die Mühle der Opposition. Schon sorgen sich Sozialdemokraten, die Union könne die vergangenen Wochen, einschließlich der Wahlen in Hannover, als "imaginäre Stunde Null" betrachten – von nun an beginnt alles neu. Was im Klartext heißt, es bleibt alles beim alten, als sei nichts geschehen.

Die Opposition – das sind zunächst einmal Sozialdemokraten und Grüne. Über ihre Situation und Ausgangslage haben die Wahlen Auskunft gegeben. Für die SPD ein Ergebnis wie gemalt, sie räumt es auch ein, in Hannover muß sie nichts beweisen, rot-grüne Querelen bleiben ihr erspart; für die Grünen ein Dämpfer, der ungewiß werden läßt, was bei Bundestagswahlen aus ihnen wird. Dabei schienen sie sich doch gerade zuverlässig als drittstärkste Partei zu etablieren.