Biogas aus Müllkippen wird bisher erst wenig genutzt

Zunächst fand der bayerische Innenminister noch lobende Worte für den Beitrag, den die Atomenergie "zu einer schadstoffarmen Umwelt" leistet. Dann war Karl Hillermeier aber doch froh, daß er nach dem sowjetischen Reaktorunglück und der zunehmenden Kritik an der Wackersdorfer Wiederaufbereitungsanlage kein neues Kernkraftwerk einweihen mußte, sondern vor einer Einrichtung stand, die selbst den Beifall der Umweltschützer findet.

Der Besuch des Ministers galt dem Pilotprojekt "Deponiegasanlage", die auf Initiative einer ansässigen Großziegelei in Erlangen-Buckenhof in Mittelfranken errichtet worden war. Mit einem zinsgünstigen Darlehen in Höhe von einer Million Mark wurde diese erste großtechnische Anlage in Bayern, insgesamt rund 1,2 Millionen Mark teuer, vom Freistaat gefördert.

Die nur achthundert Meter von der Ziegelei entfernte, 1982 stillgelegte Hausmülldeponie war Ausgangspunkt der Pläne. Dort lagert unter einer dünnen Erdschicht und von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten etwa 700 000 Tonnen stark verdichteter Abfall. Bakterien verwandeln seine organischen Bestandteile Tag für Tag in brauchbares Methangas.

In 24 und bis zu 16 Metern tiefen Entgasungsbrunnen sammelt sich das so entstandene Deponiegas. Über eine achthundert Meter lange Transportleitung strömt das Biogas nun in die bei Tag und Nacht betriebenen Tunnelöfen der Großziegelei und ersetzt dort das bisher verwendete schwefelreiche Schweröl als Brennstoff. Rund 350 Kubikmeter Methangas erzeugt diese Anlage stündlich. Das entspricht dem Brennwert von etwa 140 Litern Heizöl.

Weil in den Öfen Temperaturen um 1000 Grad erreicht werden, ist die Freisetzung von schädlichen Stoffen, wie etwa Dioxinen, nahezu ausgeschlossen. Ziegeleien eignen sich deshalb als Verwerter von Deponiegas besonders gut. Zehn bis fünfzehn Jahre wird das Unternehmen von der neuen Energiequelle profitieren können und damit gleichzeitig die Umwelt schonen. Das wertvolle Biogas, das sonst ungenutzt und nur unkontrolliert entweicht, sorgte früher für eine penetrante Geruchsbelästigung im Umkreis der Müllkippe. Ein weiterer erfreulicher Nebeneffekt: Vegetationsschäden gehen durch die Entgasung zurück, die erfolgsversprechende Rekultivierung des Geländes kann beginnen.

In Bayern gibt es derzeit 55 Hausmülldeponien. Etwa dreißig kämen davon für die Gasverwertung in Frage. Bis zum Ende dieses Jahrtausends könnten daraus rund fünfhundert Millionen Kubikmeter Deponiegas gewonnen werden, schätzt Hansjörg Oeltzschner vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz.