Von Brigitte Macher

Schon Kardinal Chigi, Abgesandter des Vatikans bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden, schwärmte von den vorzüglichen Schinken und Würsten des Münsterlandes. Wahrscheinlich tröstete sich der sonnenverwöhnte Römer und spätere Papst Alexander VII. mit diesen frugalen Genüssen, wenn es goß und die ehrwürdige Stadt Münster im Schlamm versank.

Als Land des Bestandes, Hort patriarchalischer Sitten, hat Annette von Droste-Hülshoffs Freund Levin Schücking Westfalen gerühmt, den stillen Reiz seiner Landschaft gepriesen. Und den bietet vor allem das Münsterland bis heute. Noch immer ist es eine Oase im Getriebe und Geschiebe des Fremdenverkehrs.

Interessant wurde es in den letzten Jahren für Radler, die in kleinen Gruppen oder allein, vom Münsteraner Verkehrsverein mit Kartenmaterial und Etappenquartier versorgt, leicht und mühelos auf verkehrsarmen Straßen und besonders den berühmten "Pauken" durch die idyllische Parklandschaft fahren. Flach ist es hier, Gebirge kommen nur am Himmel vor, und da setzen sie als dramatische weiße oder graue Wolkenhügel, aus denen punkt zur irdischen Pastorale.

Doch die besondere Attraktion dieser bukolischen Idylle sind die im Grün ihrer Parks verborgenen Wasserburgen und Wasserschlösser. Der grobe Unterschied zwischen beiden: Wasserburgen umgaben sich mit Wassergräben, den Gräften, zu Verteidigungszwecken. Wasserschlösser, nach 1600 erbaut oder umgestaltet, tragen die blitzenden Gräften als Diadem, als Kollier, zur Verzierung, zur Demonstration ihrer Bedeutung. Oft waren die Schlösser früher Burgen, und die Burgen, die sich in edlem Understatement "Häuser" nennen, waren im frühen Mittelalter Gräftenhöfe, also Bauernhöfe mit einem Wassergraben zum Schutz gegen marodierende Soldaten oder Diebsgesindel.

Manche der alten malerischen Gemäuer sind heutzutage Hotels, Tagungsstätten, Internate, doch die meisten blieben im Besitz ihrer adeligen Eigentümer. Daß diese sich nicht gern in ihrem Privatleben von Neugierigen stören lassen, wer wollte es ihnen verübeln? Auf telephonische Voranmeldung kann man jedoch viele private Wasserburgen und Schlösser, zumindest von außen, besichtigen.

Und noch eine aparte Annäherungsmöglichkeit an die verborgenen Schönen gibt es, nämlich mit dem Ballon. Denn neben dem Radfahren ist das Ballonfahren eine Spezialität im Münsterland. Mit heißer Luft in ihren bunten Hüllen oder als farbige, gasgefüllte Kugeln, segeln die Ballone über das Münsterland, senken sich den Burgen entgegen, und die Luftfahrer winken der adeligen Familie beim Kaffeetrinken auf der Schloßterrasse zu. Eitel spiegelt sich der Ballon in der dunklen Gräfte, scheucht Schwäne und Wildenten auf und entschwebt leise oder feurig Wildenten Auf keine andere Weise erblickt man die Burgen in ihrer baulichen Gliederung und historischen Gewachsenheit so geruhsam und vollkommen.