Marktführer

Nein – Queen Elizabeth, Diana und Prinz Charles sollen sich nicht ins Privatleben zurückziehen. Im Gegenteil. Der Volkswirtschaftler Brian Micklethwait fordert im Wirtschaftsmagazin Economic Affairs, die Windsors sollten in Zukunft auf eigene Rechnung arbeiten. "Für die Dienstleistungen der königlichen Familie gibt es auf dem freien Markt ein enormes Nachfragepotential", so argumentiert er. Die Windsors werben ohnehin für alle möglichen Konsumgüter, vom Landrover bis zu Zigaretten, denen sie mit dem königlichen Siegel den Anhauch von Qualität verleihen. "Der Erbe des Unternehmens betätigt sich gar als Architekturkritiker und Anwalt der Naturheilkunde."

Aber niemand macht sich Gedanken über einen marktgerechten Preis für die Dienstleistungen der Windsors. Ihre Meisterschaft bei der Beeinflussung der Massen macht die Royals zu den gefragtesten Mannequins und Werbeträgern des Landes. Sie helfen, neue Produkte auf den Markt zu bringen und das Image ganzer Regionen aufzupolieren. Der Tourismus Großbritanniens zehrt von ihrem Ruf in der Welt. Doch das Einkommen der Windsors beschränkt sich auf die jährliche Apanage – ein altmodisches Wort für staatliche Subventionen. Staatliche Ausgaben in allen anderen Sektoren werden immer weiter zurückgeschraubt. Den Gesundheitsdienst und den Geldumlauf will man den freien Marktkräften überlassen. Die öffentlichen Kosten der Agrarpolitik geraten mehr und mehr ins Kreuzfeuer der Kritik. Es gibt keinen Grund, so schließt Brian Micklethwait folgerichtig, warum man vor dem Unternehmen Royal Family haltmachen sollte. In Zukunft wird dann vielleicht nach dem Rennen von Ascot eine Rechnung an den königlichen Hutmacher gehen: "Für das Tragen Ihres Modells erlaubt sich Queen Elizabeth II. höflichst zu berechnen..."