Von Heinz Michaels

Geoffrey Pattie, Handelsminister ihrer britischen Majestät Elizabeth II., griff der Entwicklung wohl weit voraus mit der Bemerkung: Das wären dann "Zwei gegen Boeing". Die Zwei: Europas Airbus Industrie und Amerikas McDonnell Douglas, beide Flugzeugbauer, beide Konkurrenten von Boeing, dem weltgrößten Produzenten von Zivilflugzeugen, beide aber bislang auch Konkurrenten untereinander. Auf der Internationalen Luftfahrtschau in Hannover hatte Martin Grüner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, am Donnerstag vergangener Woche überraschend die Mitteilung fallen lassen, daß ein Angebot von McDonnell Douglas für eine Kooperation mit Airbus Industrie vorliege. Die Gespräche seien schon vor drei Monaten in Gang gekommen. An den Bars der Firmen-Chalets war es in den folgenden Tagen Gesprächsstoff, ob Grüner die Bemerkung wohl herausgerutscht sei oder ob es eine bewußt lancierte Information war.

Die Vertreter der beteiligten Regierungen – Bundesrepublik, Frankreich, Großbritannien und Spanien – waren in Hannover zusammengekommen, um das gemeinsame Airbus-Programm – vor allem die Entwicklung des Langstreckenjets A 340 und des großen Airbus A 330 – voranzubringen. Im üblichen Kommuniqué-Stil erklärten sich die Regierungen auch bereit, "die Frage der finanziellen Unterstützung des A 330/A 340-Programms zu prüfen" – vorausgesetzt, daß sich die wirtschaftlichen Aussichten als solide erweisen.

Auguren, die zwischen den Zeilen lesen, schließen daraus, daß nun auch die Engländer, deren Premierministerin Margaret Thatcher dem Projekt äußerst skeptisch gegenüberstand und dafür kein Geld herausrücken wollte, wieder mit von der Partie sind. "Die Minister", so heißt es in dem Kommuniqué weiter, "begrüßten die Bemühungen, die Basis der internationalen Zusammenarbeit zu verbreitern."

Damit kann das amerikanische Angebot allerdings noch nicht gemeint sein, denn: "Wir haben mit McDonnell Douglas über die neuen Pläne noch nicht gesprochen", versichert ein Airbus-Manager. Die Airbus-Leute sprechen seit Monaten mit Italienern, Holländern, Japanern, Kanadiern und Australiern, um die Basis für ihr neues Projekt zu verbreitern, das immerhin Entwicklungskosten von rund zweieinhalb Milliarden Dollar (rund 5,6 Milliarden Mark) erfordert.

Die Offerte aus Long Beach bei Los Angeles, wo McDonnell Douglas seine Transportflugzeuge produziert, landete in den Kanzleien der beteiligten Regierungen und auch auf dem Schreibtisch des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, der Aufsichtsratsvorsitzender der Airbus Industrie ist. Die Amerikaner bieten darin ihre Mitarbeit bei dem A 330/A 340-Projekt an und skizzieren die Kooperation bei weiteren Zukunftsplänen. Die Airbus-Manager sollen nun ausloten, wie ernst die Offerte gemeint ist.

Das Airbus-Programm, so betonte Staatssekretär Martin Grüner, werde durch diese Gespräche jedoch auf keinen Fall verzögert. Diese Versicherung war auch notwendig, weil mehrere Fluglinien, darunter die Deutsche Lufthansa und die Swissair, ungeduldig auf den viermotorigen Langstrecken-Airbus warten, mit dem sie die "dünnen Langstrecken" befliegen wollen, auf denen sich der Einsatz von Jumbos wegen des zu geringen Passagieraufkommens nicht lohnt.