Ein Retter befindet sich in Not. Rupert Neudeck, der Sprecher des Komitees "Deutsche Not-Ärzte", bekommt bei seinen Bitten um Aufnahme vietnamesischer Bootsflüchtlinge den Unwillen deutscher Behörden zu spüren. Man wolle ja helfen, aber da gebe es Verfahren und Vorschriften. Zwei Welten im Widerstreit: Hier die Furcht der Behörden vor einer neuen Flüchtlingsflut, dort der unbedingte Wille zu helfen.

Seit Anfang März kreuzt das Rettungsschiff "Cap Anamur II" vor der vietnamesischen Küste. Auf seinen ersten Fahrten hat es 530 Flüchtlinge aus dem südchinesischen Meer geborgen. Noch einmal 222 "Boat People" hat die "Cap Anamur" jetzt bei ihrer dritten Rettungsaktion aufgefischt. Doch nur für die Hälfte von ihnen hat die Bundesregierung bisher Aufnahmevisa zugesagt. Bayern, Rheinland-Pfalz, Bremen und Hamburg haben bisher keine Plätze angeboten. Solange die Bundesländer jedoch die Aufnahme verweigern, erteilt Bonn keine Visa.

Die 1982 von Bund und Ländern verabredeten "Verfahrensgrundsätze" verlangen ein gemeinsames Vorgehen aller Landesregierungen. Darauf wollten die Not-Ärzte nicht warten. Für das Komitee zählt allein: Im südchinesischen Meer ertrinken Menschen, werden Flüchtlinge von Piraten überfallen, ausgeraubt, vergewaltigt und verschleppt – ohne Rücksicht auf deutsche Verfahrensgrundsätze. M. N.