Es las sich fast wie eine Ergebenheitsadresse, was Ministerialdirektor Wolfgang Finke an seinen Dienstherrn, den Minister für Forschung und Technologie Heinz Riesenhuber, schrieb: "Sie besitzen einen blendenden Intellekt und eine beneidenswerte Rednergabe." Doch der dann folgende Satz klang weniger freundlich: "Leider sind Ihnen Entschlußfreude und Entschiedenheit des Handelns nicht in gleichem Maße gegeben."

Als ob Riesenhuber diese Kritik Lügen strafen wollte, hatte er tags zuvor mit unübersehbarer Entschlußfreude seinen Abteilungsleiter für Weltraumangelegenheiten, Luftfahrt- und Verkehrsforschung Finke gefeuert. Hauptgrund für die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand: grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über das deutsche Engagement in der Raumfahrt, vor allem über eine Bonner Beteiligung an der Raumfähre Hermes.

Seit Paris vor gut zwei Jahren den Deutschen das ehrgeizige Hermes-Projekt präsentierte, herrscht Uneinigkeit in der Bundesregierung. Kanzler Helmut Kohl vertröstet die Franzosen von einem Gespräch zum nächsten. Außenminister Hans-Dietrich Genscher ist ein eifriger Befürworter von Hermes; Finanzminister Gerhard Stoltenberg verweist darauf, daß er kein Geld habe. Und Forschungsminister Riesenhuber hält sich alle Optionen offen.

"Mit der rüden Entlassung eines der fähigsten und erfolgreichsten Spitzenbeamten des Forschungsministeriums so folgerte der SPD-Abgeordnete Josef Vosen, habe "Riesenhuber öffentlich das Eingeständnis seiner Konzeptionslosigkeit in der Weltraumpolitik abgelegt".

Der parteilose Ex-Abteilungsleiter Finke wies in seinem Brief an Riesenhuber noch auf einen anderen Aspekt hin: "Meine Versetzung in den einstweiligen Ruhestand erlaubt Ihnen einige personelle Veränderungen, an denen Ihnen offenbar gelegen ist." In der Tat rückten nach dem Finke-Rausschmiß gleich drei stramme CDU-Leute auf: Jan-Baldem Mennicken wurde zum neuen Abteilungsleiter ernannt und Ludwig Baumgarten, der Leiter des Ministerbüros, zum Umerabteilungsleiter; Werner Gries, als Pressereferent schon bisher Unterabteilungsleiter, erhielt zu seinen bisherigen Kompetenzen den Bereich Forschungspolitik dazu.

Wenn es um das Eintreten für die weitere zivile Nutzung der Kernenergie geht, spielen manche Interessenten offensichtlich lieber mit verdeckten Karten. So diskutierte das Deutsche Atomforum auf der Sondersitzung seines Präsidiums am 22. Mai, wie die verheerenden psychologischen Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl korrigiert werden könnten, ohne daß der Bonner Verein selbst in Erscheinung treten müßte.

Die Geschäftsführung des Atomforums machte sich für eine große Anzeigenkampagne (Kosten etwa zehn Millionen Mark) stark. Um nicht als Zeuge in eigener Sache auftreten zu müssen, wurde die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) auserkoren, vier Anzeigen zum Lobe der Kernkraft aufzugeben. VDEW-Geschäftsführer Horst Magerl erklärte sich für seinen Verband bereit, die Anzeigenaktion ohne finanzielle Unterstützung durch die Großindustrie zu bestreiten. Bei gleicher Gelegenheit erhielt Klaus Barthelt, Vorstandsvorsitzender des Reaktorbauers KWU, den Auftrag, mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wegen einer ähnlichen Werbeaktion zugunsten der Kernkraft Kontakt aufzunehmen. Zur Publizierung von Anzeigen verspürte der BDI allerdings keine Lust. Statt dessen zeigte sich BDI-Präsident Hans Joachim Langmann bereit, in einem Brief Bundespräsident Richard von Weizsäcker zu einem Engagement zugunsten der Kernenergie anzuregen.