Was die Weltmeisterschaft in Mexiko lehrt: Glück hat auf die Dauer nur der Glückliche / Von Horst Vetten

Die ältesten Lehrsätze sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Von wegen de nihilo nihil, aus nix wird nix. Das Abschneiden der deutschen Fußballvertretung bei der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko zwingt zum Umdenken selbst auf philosophischen Wegen, die als erprobt, eingefahren und sicher galten. Glück hat demnach in Abänderung früherer Erkenntnisse auf die Dauer nur der Glückliche.

Zum Glück hatte der bundesdeutschen Fußballmannschaft 1974 im eigenen Lande ausgerechnet die DDR-Auswahl – unvergessen der schöne deutsche Name Sparwasser! – eins um die Ohren gegeben, die Watschen war von der Art, wie sie gelegentlich der Arzt anwendet, wenn er zu prüfen hat, welche Art Kollaps er vor sich hat. Deutschland wurde Weltmeister.

Vier Jahre später wurde am internationalen Flughafen von Buenos Aires ein deutscher Tourist von einem österreichischen Kollegen gefragt, was. er in seinem Koffer mit sich führe. Der war den Dimensionen nach für ein Radio zu groß und für eine Nähmaschine zu klein. Der Reichsdeutsche bedeutete dem Ostmärker, was es mit dem Behälter auf sich habe: Mit dem darin befindlichen transistorbetriebenen Fernsehgerät könne er auf jeder x-beliebigen Tribüne die Wiederholungen der deutschen Tore betrachten. "Soso", staunte der Österreicher, "aha, na ja freilich, wegen der Tore, sehr schlau, eine gute Idee." Dann verfiel er in Nachdenken. Schließlich hob er den rotweißrot behüteten Kopf. "Sie, Herr Nachbar", tippte er dem Fernsehkofferbesitzer auf die Schulter, "wie oft hams’ eigentlich null zu null gespült, die Deitschn?"

Mit lauter Nullen

Das war’s: Jedesmal hatten sie null zu null gespült, die Deitschn, und wer da mit Tucholsky meinte, eine Null sei ein Nichts mit Rand, der irrte sich beim Modus der Fußball-Weltmeisterschaft von 1978: Mit lauter Nullen sind damals die Deutschen eins weiter gekommen, bis ihnen die Österreicher dann in Cordoba das Glückshaferl umstießen; gegen dieses Datum verblaßt bis heute der Todestag von Andreas Hofer.

1982 kann in höchster Geschwindigkeit abgehakt werden: Eine zerstrittene, nächtens auf Bettkanten um fünfstellige Beträge zockende, tags mit Wasserbeuteln auf die zahlende Kundschaft zielende, mit den Fußballkriegern Österreichs Mauschel-Mauschel spielende deutsche Nationalmannschaft kam – was?