Im September, der klassischen Manöverzeit, wird die IG Metall die Mobilisierung beschließen. Angekündigt hat sie dies schon heute. Doch ob dann aus dem Spannungszustand – um in dem militärischen Vokabular zu bleiben, das für Arbeitskonflikte so gern benutzt wird – sich dann ein Krieg entwickelt, ist ungewiß.

Es geht, wieder einmal, um Arbeitszeitverkürzung. Vor zwei Jahren hatte sich die IG Metall nach dem härtesten Arbeitskampf in der Geschichte der Bundesrepublik in ihrem Kampf um die 35-Stunden-Woche mit einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit um eineinhalb Stunden begnügen müssen. Doch es war ihr ein entscheidender Durchbruch gelungen: Das von den Arbeitgebern aufgerichtete Tabu der 40-Stunden-Woche war gebrochen.

Nun nimmt die Gewerkschaft einen zweiten Anlauf, um ihr Ziel zu erreichen. Wieder mit dem Argument, daß Arbeitszeitverkürzung neue Arbeitsplätze schaffe und damit zum Abbau der Arbeitslosigkeit beitrage.

Das Thema ist heute so umstritten wie vor zwei Jahren. Bei der Berechnung, wie viele der rund 200 000 neuen Arbeitsplätze in der Metallindustrie eine Folge der Arbeitszeitverkürzung sind, kommt die IG Metall auf über 100 000, der Arbeitgeberverband Gesamtmetall dagegen nur auf 25 000, während das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mit einer Zahl von 70 000 operiert. Gleichviel, unbestritten ist, daß die Arbeitszeitverkürzung sich auf dem Arbeitsmarkt ausgewirkt hat. Und wenn die Arbeitgeber sich gegen eine weitere Verkürzung stemmen, dann vor allem, weil die Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten haben, hochqualifizierte Fachleute zu finden.

Doch dies ist ein anderes Thema. Mangelnde Qualifizierung der Arbeitskräfte ist eine Unterlassungssünde in der Berufsausbildung und Weiterbildung, die nun durch eine Qualifizierungsoffensive bei den Arbeitslosen endlich wettgemacht werden soll. Um des Ziels der Arbeitszeitverkürzung willen liegt es deshalb auch im ureigensten Interesse der IG Metall, sich dieser Aktion aktiv anzuschließen.

Wird es also um die Arbeitszeitverkürzung wieder so heftige Auseinandersetzungen geben wie vor zwei Jahren? Das eisige Klima, das seit dem Streik von 1984 zwischen den Tarifparteien herrscht, läßt eine solche Vermutung zu. Der Übergang von der 48- auf die 40-Stunden-Woche in den ersten Nachkriegsjahrzehnten vollzog sich doch vor allem deshalb relativ reibungslos, weil damals ein anderes soziales Klima herrschte und die Wirtschaftsentwicklung steil bergauf ging.

Zudem ist das Problem nicht so eindimensional, wie es die Gewerkschaft gern darstellt und behandelt wissen möchte. Arbeitszeitverkürzung ist vielmehr – wie allein das Beispiel des Facharbeitermangels zeigt – inzwischen zu einer komplexen Frage geworden, bei deren Lösung diverse andere Fakten zu berücksichtigen sind und in die auch noch sachfremde Themen wie der Streit um den sogenannten Streikparagraphen 116 des Arbeitsförderungsgesetzes hineinspielen.