Unter den knapp hundert touristischen Vertretungen ausländischer Staaten in der Bundesrepublik sind etwa zwei Dutzend, die kaum bekannt sind oder erst kürzlich ihre Arbeit aufgenommen haben.

Die kundigen Vertreter der Tourismusbranche schüttelten 1985 nachdenklich die Köpfe, als im Haus eines Nürnberger Reisebüros offiziell das "Fremdenverkehrsbüro der Republik Paraguay" eröffnet wurde. Wer, so die Frage damals, fährt denn als Tourist in den südamerikanischen Binnenstaat des deutschstämmigen Generals Alfredo Stroessner? Die Antwort sollten ein paar Deutsche und Österreicher geben, die als Vertreter des südamerikanischen Staates operierten. Doch sie gaben nur ein kurzes Zwischenspiel. Das Fremdenverkehrsbüro verschwand klammheimlich wieder von der touristischen Szene.

Aktiv indes ist eine ganze Reihe von touristischen Vertretungen. Wenn auch weithin unbekannt, verwalten sie nach bestem Wissen und Gewissen und ausgestattet mit Mini-Etats ihrer Auftraggeber. Das bedeutet in aller Regel: Die Ein-Mann-Vertretungen verteilen Prospekte auf Anforderung, sofern dem Reisepublikum überhaupt die Adressen bekannt sind.

In Hamburg beispielsweise residiert die touristische Vertretung der Karibik-Inseln Turks and Caicos Islands und British Virgin Islands sowie von Belize – laut Taschenbuch für die Touristikpresse. Aber Hans G. Friedrichs, der Leiter des Büros ist und sich "Captain" nennt, vertritt im Namen des in London beheimateten "The West India Commitee" rein wirtschaftliche Interessen seiner Auftraggeber. Die touristische Seite deckt die Caribbean Tourism Association Europe (CTA) in Frankfurt ab.

Ebenfalls in Hamburg vertritt Frau Konsul Hiltrud Boeckmann das karibische Tauchparadies Bonaire, ohne daß jemals Mittellungen über die Insel aus der Hansestadt verschickt würden. Konsulwürden hat auch Bernd O. Ludwig, Generaldirektor des "Frankfurter Hofs" in Frankfurt. Von hier aus steuert Ludwig mit zwei Telephonnummern – eine für das Konsulat, eine für das Fremdenverkehrsamt von St. Lucia – die touristischen Geschicke der bananenreichen Republik. Nur: Hilfreicher für den Urlauber ist der Kontakt mit dem CTA, das fast dreißig karibische Inseln gemeinsam vertritt.

In Saarbrücken sitzt der stumme Statthalter der Islamischen Republik Mauretanien. Für Gambia erledigt ein funktionstüchtiges Profi-Unternehmen für Öffentlichkeitsarbeit die Geschäfte, ebenso für Mauritius und die Seychellen. Die US-Jungferninseln können in Frankfurt nur montags bis donnerstags von 8.30 bis 12.30 Uhr telephonisch erreicht werden.

Seit letztem Jahr ist auch die Wasserwüste Mikronesien mit ihren Palmenparadiesen in der Bundesrepublik vertreten – durch den Aachener Südsee-Spezialisten Dr. Düdder’s Reisen, der ebenso für die Reiseveranstalter wie für Publikumsfragen zuständig ist.