Das Normale in solcher Lage wäre, daß der Präsident ein Machtwort spricht. Er glaubt aber, daß er beides auf einmal haben kann: einerseits Weltraumrüstung samt Aufkündigung der alten Verträge, andererseits kräftige Abrüstungsschritte samt neuen Verträgen. Er will die Quadratur des Zirkels. Eine Wende kann da nicht entstehen, höchstens eine Windung.

Bleibt Reagan dabei, so wird beim nächsten Gipfeltreffen, wenn es denn stattfindet, wenig herauskommen. Dann wird Wettrüsten abermals die Parole. Und dann werden nicht nur sozialdemokratische Landesparteitage, sondern Europäer jeglicher politischer Couleur auf die Idee verfallen, daß man die Entspannung gegenüber den Amerikanern "bis zum Konflikt" verteidigen müsse (eine törichte Floskel, wenn sie heißen soll: bis zum Bruch, aber völlig angebracht, wenn sie bedeutet: mit harter Entschlossenheit, sich den Ideologen des Pentagons zu widersetzen).

Wie läßt sich die Karre aus dem Mahlsand ziehen? Nur dadurch, daß die Amerikaner SDI als diplomatisches Wechselgeld einsetzen. Herunterrüsten bei den Offensivwaffen im Austausch gegen eine Begrenzung der Defensiv-Entwicklung. Gorbatschows Vorschlag weist da in die richtige Richtung. In Westeuropa wie im Kongreß haben Ähnliches schon viele vorgeschlagen. Alles andere wäre schiere, bündnissprengende Unvernunft.