Sechs Uhr einundfünfzig. Man läßt mich beim Pförtner warten. Die zweite Aushilfe ist nicht gekommen. Ich giere nach einer Zigarette, bin müde und schlecht gelaunt. Eine Frau im Kittel mit häßlicher Gardinenhaube holt mich ab: Kittelanprobe, Haube auf, Spindschlüssel.

Vor mir kartonweise Medikamente: "Probepackungen mit sechs Vaginalzäpfchen und einem Waschzettel, schön aufpassen, daß der Beipackzettel an der Seite mit der Chargennummer..."

Nach fünf Minuten sind meine Hände an den Bewegungsablauf gewöhnt. Ich bin ein Automat. Vagiflor! Idiot, der sich so etwas ausgedacht hat. Die Zäpfchen kommen aus dem Kühlschrank, sind eisig kalt. Pappe nehmen, Ecken einknicken, Lasche einstecken, Zettel und Zäpfchen hinein, Ecken einknicken, Lasche einstecken...

Vier Fünferhäufchen plus eine Packung sind 21. Vier Reihen, drei Lagen hoch und acht Extrapackungen ergeben eine Alukiste mit 260 Stück.

Ein paar Meter von mir entfernt arbeiten fünf Frauen an einem Fließband. Verpackung einer Tropfenlösung für Verdauungsgestörte.

Draußen Sonnenschein, wir sitzen im Halbdunkel bei Neonlicht und offenen Fenstern und schwitzen. Privilegierte Arbeiterinnen mit Kontrollbögen machen Stichproben, bei mir etwa alle zehn Minuten. Sie warten wie die Geier darauf, daß ich Fehler mache. Ein Paket liegt mit dem Emblem nach unten? Eine von 260 Probepackungen? Nein, das soll nie mehr vorkommen!

Um acht Uhr die erste Kurzpause. Ich treffe eine Frau vom Zeitverleih. Sie hat kürzlich geheiratet, wird vom Werk übernommen. Wir haben uns nichts zu sagen. Ich sehe mich in der Kantine um. Fast ausschließlich Männer, feist und selbstzufrieden, kaputtgearbeitet.