Von Heinz Blüthmann und Jens Peter Paul

Das rettende Ufer für die Neue Heimat – ist es in Sicht? Der ehemalige Dresdner-Bank-Vorstand und jetzige Krisenhelfer des gewerkschaftseigenen Wohnungskonzerns, Manfred-Meier-Preschany, antwortet mit einem Vergleich: "Sie können das schönste Haus im Taunus besitzen, mit einem Gutachten, das einen Wert von drei Millionen ausweist. Wenn Sie das Geld aber brauchen, und zwar sofort, subito, und Sie finden keinen, der Ihnen wenigstens zwei Millionen auf den Tisch legt, und zwar heute, und nicht erst in zwei Jahren, dann nützt Ihnen das alles nichts. Genauso ist es auch in diesem Fall. Das ist der Mist."

Kein Geld subito, also auch keine Rettung für die Neue Heimat? Meier-Preschany benutzt den Ausdruck "geordneter Rückzug". Das heißt: Es darf keine Panik ausbrechen, eine wilde Flucht muß unter allen Umständen vermieden werden – aber das Ende der Neuen Heimat, daran gibt’s keinen Zweifel, ist fest ins Auge gefaßt.

Wie schlimm es um das marode Wohnungsunternehmen tatsächlich steht, ist in einem Gutachten nachzulesen, das die Beratungsfirma Meier-Preschanys mit Datum vom 8. März dieses Jahres dem obersten Gewerkschafter und Aufsichtsratschef der Neuen Heimat, Ernst Breit, überreichte. Die entscheidenden Passagen wurden mit Hand geschrieben, und der Kernsatz lautet: "In ihrer jetzigen Struktur ist die Neue Heimat nicht zu retten." Ende vergangenen Jahres war der Baukonzern bei seinen Gläubigerbanken mit knapp siebzehn Milliarden Mark verschuldet. Die 260 000 Wohnungen und Grundstücke – auf dem Höhepunkt besaß die Neue Heimat 350 000 – stehen aber nur mit vierzehn Milliarden Mark zu Buche.

Seit 1983 haben die Gläubigerbanken auf jede Tilgung der Kredite verzichtet. Dieses Stillhalteabkommen läuft jedoch am Jahresende aus. Es sollte die Sanierungsbemühungen von Diether Hoffmann flankieren, der seit dem 15. Februar 1982 Nachfolger des damals fristlos entlassenen Neue-Heimat-Chefs Albert Vietor ist. Doch jetzt ist die Situation keineswegs besser als vor dreieinhalb Jahren – auch deshalb, weil die Immobilienpreise seither auf breiter Front fielen und die Lücke in der Neue-Heimat-Bilanz zwischen Vermögen und Bankschulden weiter aufrissen.

Jetzt wird die Zeit knapp. Reicht sie für den "geordneten Rückzug"? Eigentlich brauchte er acht Jahre, meint Meier-Preschany, um die noch einigermaßen gesunden Konzernteile unter Dach und Fach zu bringen; Doch soviel Zeit habe man nicht, es pressiere vielmehr ganz schrecklich.

Tausende von Wohnungen und Schuldposten auf einen Schlag loszuwerden, am besten gleich ganze Regionalgesellschaften des Neue-Heimat-Konzerns in den einzelnen Bundesländern en bloc abzustoßen, ist deshalb Meier-Preschanys oberstes Ziel. Den größten Teil seiner Zeit verbringt er daher im Moment damit, auf Landespolitiker einzureden wie auf kranke Pferde. Um Bayern (33 000 Wohnungen) und Baden-Württemberg (9000 Wohnungen) macht er sich dabei vergleichsweise wenig Sorgen, obwohl die politischen Konstellationen dort äußerlich unfreundlich erscheinen. In Bayern wird aber gewählt, und Landesvater Franz Josef Strauß, mag er öffentlich auch poltern, ist sehr darauf bedacht, daß seine Regionalgesellschaft in gute Hände kommt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Lothar Späth hat eine Versicherungsgesellschaft auf den Fall angesetzt und operiert ebenfalls verdeckt, aber mit Hochdruck.