Wenn ich in irgendeiner Hinsicht vor dem Vaterland schuldig bin, dann will ich vom Vaterland selbst nach höchstem Maß verurteilt werden (und vor meinem eigenen Gewissen, Sascha). Wer aber ist mein Richter jetzt? Was für eine große patriotische Tat wird vollbracht, indem sie mich, seitdem ich 18 war, im Gefängnis halten und peinigen, peinigen, jede Stunde! Dann treffen sie sich mit meinem Vater und meiner Mutter und mit den Geschwistern und ziehen vor ihnen den Sohn und den Bruder in den Dreck und schüchtern sie ein – so erfüllen sie ihre "patriotische Pflicht".

Mit mir kann das Letzte passieren, was einem Menschen zustoßen kann. In jedem Fall, ob ich sterbe, oder ob man mich um den Verstand bringt – das wird das Ende sein ...

Dieser Brief des 39jährigen baschkirischen Dichters Nisametdin Achmetow, der jetzt seit 21 Jahren in Haft ist, brauchte länger als ein Jahr, bis er das Komitee "Writers in Prison" des PEN erreichte. DIE ZEIT veröffentlicht diesen Hilferuf in der Hoffnung, Achmetow und anderen "zwangspsychiatrisierten" Autoren, nicht nur in der Sowjetunion, zu helfen.