Regensburg: "Stephen Willats – Grüße vom modernen Leben"

Stephen Willats ist ein Anthropologe, der in den Randzonen der Großstadt Feldforschung betreibt und die Ergebnisse seiner Untersuchungen in Form von Collagen präsentiert, die Kunstwerke sind und visualisierte Soziologie. Sein Thema sind die Verhaltensweisen von marginalisierten Gruppen der Gesellschaft, die sich in der Umgebung, in der sie leben, eine eigene, eine andere Wirklichkeit erschaffen. Willats hat entdeckt, daß es dort Freiräume gibt, die Beschäftigungen, Begegnungen, Beziehungen erlauben, in denen Anzeichen einer Gegenkultur sichtbar werden. Wie sich "das gegenläufige Bewußtsein" in der Organisation des Lebens auswirkt, stellt Willats auf Tafeln dar, die Auskunft geben über Kreisprozesse in einem geschlossenen, sich selbst regulierenden und im Gleichgewichtszustand befindlichen System – ob das nun ein Wohnsilo ist, eine Punk-Kneipe oder eine Schrebergartenanlage. Die Betroffenen, die der Künstler interviewt, sind am Entstehen der Arbeiten beteiligt, ihre Porträts sind ebenso Teil des Werks wie ihre Aussagen. Dadurch erhalten Willats Untersuchungen, die auf kybernetischen Modellen fußen, einen hohen Grad von Authentizität. (Städtische Galerie, bis zum 6. Juli, Katalog 10,– Mark.) Helmut Schneider