Zwei Wortmeldungen, die wir gebührend zur Kenntnis nehmen sollten, ohne handfeste Schlußfolgerungen zu ziehen. Ein "wachsendes Maß an Gemeinsamkeiten" in der Außen-, Deutschland- und Ostpolitik fällt Hans-Jochen Vogel beim Vergleich von SPD und FDP auf. Hans-Dietrich Genscher orakelt gleichzeitig, ihm liege daran, "daß unser Land nicht in zwei feindliche Lager zerfällt".

Weitergehende Absichten? Alle stellen sie entschieden in Abrede, einerseits. Andererseits denkt die Hessen-SPD darüber nach, ob sie die Koalition mit den Grünen aus übergeordnetem Interesse platzen lassen soll. Und in Hamburg macht sich die FDP schon heute anheischig, der SPD nach der November-Wahl zur Mehrheit zu verhelfen.

Das sind fürs erste Gedankenspiele, doch mit erkennbarem Hintersinn. Der SPD liegt sehr viel daran, wenigstens theoretisch mehr als eine Option zu besitzen. Dafür ist sie sogar bereit, gemessen über die Partei des "Verrats" von 1982 zu sinnieren. Die FDP weiß noch nicht, wann sie in Bonn wieder einmal die Fronten wechseln soll; sie weiß jedoch, daß sie sich rechtzeitig darauf einstellen muß.

Zu beobachten ist: die Kunst, ein Steinchen äußerst vorsichtig zu Wasser zu lassen. G. S.