Wie Reagan dem Unheil in Südafrika wehren könnte

Von Marion Gräfin Dönhoff

Die Welt muß zusehen, wie die Ereignisse in Südafrika offenbar unaufhaltsam dem Abgrund entgegentreiben. Da ist das Bedürfnis, einen Stock zwischen die Speichen des Schicksalsrades zu schieben, nur allzu begreiflich.

Alle denken verzweifelt darüber nach, was zur Rettung getan werden könnte. In dieser Woche kommen die Regierungschefs der zwölf EG-Länder im Haag zusammen. Zur Entscheidung steht die Frage: Sanktionen, ja oder nein? Und wenn, welche? Im Juli wird eine Gipfelkonferenz der Afrikanischen Staaten (OAU) stattfinden, die nicht nur wirtschaftliche Sanktionen beschließen will, sondern auch – und das ist ein Novum – militärische Hilfe für die Befreiungsgruppen. Im August tagen dann noch einmal die Commonwealth-Staaten – sechs von ihnen planen, ihre Hochkommissariate, also ihre Botschaften, in London zu schließen, falls Margaret Thatcher sich wiederum nicht bereitfinden sollte, Sanktionen wiederum men.

Auch die Kirchen üben Druck aus. Der Erzbischof von Canterbury hat einen Vertrauten zum Rekognoszieren nach Südafrika geschickt. Und sein katholischer Kollege, der britische Kardinal Basil Hume, hat sich in schärfster Form gegen die Verhaftung von katholischen Mitarbeitern ausgesprochen. Oliver Tambo schließlich, der in Lusaka amtierende Präsident des African National Congress (ANC), erklärte soeben, der ANC hätte es bei weitem vorgezogen, sein Ziel – die Abschaffung der Apartheid – durch Verhandlungen zu erreichen, aber die Antwort des südafrikanischen Präsidenten zeige, daß er daran kein Interesse habe. Es gehe darum nur noch mit Gewalt.

Alle denken verzweifelt nach und diskutieren, nur der Hauptbetroffene nicht, Staatspräsident Botha. Er meint ganz ungerührt, er brauche keine Ratschläge, er werde sich um die internationale Kritik nicht kümmern, sondern weiterhin das tun, was er beschlossen habe.

Und was tut er? Er verschärfte den Ausnahmezustand, der ohnehin rund um die Welt äußersten Zorn und Widerwillen erzeugt hat, weil er jedwede Verhaftung ohne Begründung legitimiert und den Sicherheitskräften Straffreiheit garantiert für alles, was sie anrichten – auch wenn sie, wie in der vorigen Woche, einen neunjährigen Jungen, der sich angeblich allein auf der Straße befand, erschießen und hinterher behaupten, sie hätten gedacht, es sei ein Hund.