Die Belegschaft kämpft um ihre Arbeitsplätze

Von Jürgen Zurheide

Die Wachmannschaften haben im Moment besonders viel Arbeit. Sie kontrollieren allerdings hauptsächlich jene, die den Schnellen Brüter von Kalkar verlassen. Da müssen Autofahrer ihren Kofferraum öffnen; da müssen sie erklären, was sie denn so alles mitnehmen, im Zweifel nachweisen, ob ihnen die Schreibmaschine oder das Werkzeug, das sie gerade hinaustransportieren, auch wirklich gehört. Verstärkt sind diese Ausgangskontrollen seit wenigen Wochen, weil der Schnell-Brüter-Kernkraftwerksgesellschaft, kurz SBK, die Arbeit ausgeht und gut 1000 Mitarbeiter von fremden Firmen, die in den vergangenen Jahren am Bau des 6,5 Milliarden Mark teuren Betongiganten am linken Niederrhein mitgeholfen haben, jetzt nach Hause geschickt werden.

Es ist zwar noch das eine oder andere auf der Baustelle zu tun, aber es geht im Moment nicht recht weiter. "Aus politischen Gründen", dies behauptet zumindest die SBK. Die beiden entscheidenden Genehmigungen stehen, aus und bevor die nicht in Kalkar eintreffen, geht es nur mit gebremstem Elan voran. "Wir sind so weit, daß wir bald die Brennstäbe einlagern und dann den Probebetrieb aufnehmen können", schildert Günther Theisen, Geschäftsführer der SBK, die Situation. Aber, diese beiden Genehmigungen lassen auf sich warten.

Sie kommen – wenn sie kommen – von der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die das Projekt am linken Niederrhein im Rahmen der Auftragsverwaltung für den Bonner Forschungs- und Innenminister prüft. Mehr als ein Dutzend Teilerrichtungsgenehmigungen haben die Düsseldorfer den Erbauern schon gegeben und nie einen Zweifel aufkommen lassen, daß darin ein sogenanntes "positives Gesamturteil" enthalten war. Doch damit scheint es heute anders auszusehen. Bald ein Jahr warten die Bauherren nun, aber wann sie die ausstehenden Genehmigungen bekommen, ist noch längst nicht abzusehen. Wenn sie darüber klagen, dann hält ihnen der zuständige nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen vor, sie sollten zunächst einmal ihre Hausaufgaben machen und die zahlreichen Mängel beseitigen, die seine Behörde aufgespürt hat. Da sind Rohre falsch zusammengebracht, Schweißnähte undicht; kurzum, da ist die Sicherheit noch längst nicht gewährleistet.

So argumentiert zumindest Jochimsen. Klar ist, daß die Zurückhaltung der Düsseldorfer Sozialdemokraten mit dem politischen Widerstand gegen den Brüter und andere Atomprojekte aus der eigenen Partei zugenommen hat. Die SBK vermutet denn auch politische Gründe für das vorläufige Nein zu den ausstehenden Genehmigungen. Auf der anderen Seite betonen die Brüter-Leute immer wieder, daß sie bisher mit den Düsseldorfer Behörden "ausgezeichnet" zusammengearbeitet haben.

Kein Aufatmen