Für diesen Weg haben hauptsächlich die Kosten gesprochen. Nachträglich halten die Betreiber dieses Vorgehen sogar für besonders ökologisch: Weil in normalen Leichtwasserreaktoren Plutonium anfällt, daß bisher noch nirgendwo sicher endgelagert werden kann, hilft der Schnelle Brüter, weil er zum Plutoniumvernichter geworden ist.

Angesichts dieser Entwicklungen taucht natürlich immer wieder die Frage auf, was der Brüter überhaupt noch beweisen kann und soll, da er in fast keinem Punkt mehr das bringt, was man sich ursprünglich davon versprochen hat. Wenn man die Argumente der verschiedenen Beteiligten etwas genauer durchleuchtet, dann kommt man freilich zu dem Schluß, daß dies auch jenen nicht verborgen geblieben sein kann, die heute noch lautstark das Gegenteil verkünden. Es sieht viel eher so aus, als wenn jeder die beste Ausgangsposition sucht und niemand letzten Endes verantwortlich sein möchte, wenn das endgültige Aus für den Brüter doch noch kommt.

Die SBK hält zum Beispiel schon deshalb an dem Brüter fest, weil sie ihr eingesetztes Kapital nicht völlig abschreiben möchte. Versetzen die Politiker dem Brüter den endgültigen Todesstoß, dann müssen sie auch zahlen. Es wird schon jetzt in den Chefetagen gerechnet, wie teuer das würde: Eine Milliarde Mark müßten an die Holländer und Belgier zurückgezahlt werden, denn sie sind an dem Projekt beteiligt. Eine weitere Milliarde haben die bundesdeutschen Stromversorger zugeschossen und mit rund 300 Millionen Mark sind die Brüterhersteller dabei. Zu diesen 2,3 Milliarden Mark kämen allerdings noch gewaltige Zinsforderungen.

Das Land zieht sich auf die Formel "wir entscheiden nach Recht und Gesetz" zurück, weil man eben diesen Schadenersatzforderungen entgehen möchte. Politisch ist man zwar gegen den Brüter, aber so offen wird das nicht gesagt, denn das kann teuer werden. Also wird geprüft und bewertet, Hauptsache, es kommt keine endgültige Entschädigung dabei heraus.

Aber auch für den Bund ist die Sache nicht ganz einfach. Einmal will er wirklich kein Geld mehr springen lassen und zweitens weiß man auch in Bonn, daß der Brüter langfristig keine Zukunft mehr hat. Kommt es nun zu der Situation, daß die Nordrhein-Westfalen womöglich aus sicherheitstechnischen Bedenken das gesamte Kalkar-Projekt verwerfen, dann bliebe dem Bund die Möglichkeit, Düsseldorf anzuweisen. Doch daß es dazu kommt, ist im Moment unwahrscheinlich; unter anderem, weil die Öffentlichkeit dafür nach Tschernobyl kaum Verständnis hätte. Außerdem wächst auch in der Union, zumindest bei jenen, die keine Regierungsverantwortung tragen, die Einsicht, daß man sich die Zukunft langfristig eher ohne Atomenergie vorstellt. Kurt Biedenkopf hat seine Parteifreunde vor kurzem nachdrücklich darauf hingewiesen.

Es bleiben die Vertreter der Region: der Bürgermeister von Kalkar, Karl Ludwig van Dornick, sowie sein christdemokratischer Parteifreund, der Stadtdirektor Rainer Jürgenliemk. Sie beide träumen noch immer von weiteren Segnungen der Brüter-Technik für die 11 000-Seelen-Stadt. Ist die SBK schon heute der größte Arbeitgeber in Kalkar, natürlich auch der größte Steuerzahler, so könnte daraus noch mehr werden: Wenn der Schnelle Brüter Nummer 2 gebaut wird; am besten direkt neben dem ersten Ein Gespräch darüber haben sie kürzlich mit der SBK geführt. Deren Antwort muß für die Männer aus Kalkar jedoch ernüchternd gewirkt haben – daran ist im Moment nicht zu denken, hieß es hinter verschlossenen Türen, weder aus politischen, noch aus wirtschaftlichen Gründen.