Die Caravanhalde möge, so fordern sie, nahe bei Greetsiel entstehen. Die Greetsieler mögen jedoch keinen dieser notorischen Schandflecken vor ihren Windmühlen und Häuschen. Sie wollen auch die Bettenkapazität im unmittelbaren Dorfbereich nicht mehr sonderlich erhöhen: "Mehr verträgt unser kleiner Flecken nicht", sagen sie. Aber die Greetsieler haben eben nur ein paar Stimmen im Gemeindeparlament.

Greetsiels Friesen bevorzugen eine originellere Pflege des Gewerbezweiges Tourismus. Unter Anleitung des ideenreichen Landwirts Rolf Dieken haben sie ein außergewöhnliches Programm für ihre Urlauber zusammengestellt: Exkursionen, die unterhaltend Wissen verbreiten über Land und Leute, über Frieslands Natur und Kultur. Die ZEIT-Reiseredaktion hat das Programm beim historischen Rundkurs, beim Marsch durchs Moor, beim Orgelohrenschmaus, beim Wandern über die Salzwiesen vorm Deich, bei Visiten in Ställen und Scheuern und beim Schnack mit dem Krabbenfischer erprobt. Ergebnis: Empfehlenswert.

Was hat die Nachtigall am Bett zu suchen? Elke Bontjer freut sich, daß sie schon wieder einen Gast mit dieser Frage verwirrt hat. Die "Nachtigall" ist nichts anderes als die vornehme Umschreibung für den Nachttopf, und den pflegten die Bewohner des Landarbeiterhauses, in dem wir uns befinden, in ihren Butzen aufzubewahren. Die Butzen waren Schrankbetten: Tür zu, und die Schlafstätte war versteckt.

Wir stehen in einem Haus, das vor 145 Jahren gebaut wurde und nun Teil des kleinen Freilichtmuseums Moordorf in der ostfriesischen Gemeinde Südbrookmerland ist. Führungen durch das Museumsdorf und durch das Moor gehören zu den weiträumigen Attraktionen des etwa 20 Kilometer entfernt liegenden Greetsiel. Elke Bontjer, die seit einem Jahr die Besucher ins Moor lockt, widmet dem Museum ihre ganze Freizeit, wenn sie nicht gerade als Hausfrau und Mutter, als Nebenerwerbsbäuerin und als Schriftstellerin oder bei ihren Dichterlesungen tätig ist.

1979 wurde der Moormuseumsverein gegründet, der den Urlaubern zeigen will, wie herb und hart vor noch vor wenigen Jahrzehnten das Leben auf dem feuchten Land war. Bis zu 50 Leute habe sie manchmal dabei, erzählt meine Begleiterin, als wir auf dem schwingenden Boden des Torfgrundes stapfen, in dem Sonnentau und Wollgras wachsen, auch Gagel, den man früher zum Färben brauchte, und die im August rotviolett blühende Besenheide. Wie alt ist wohl das Moor? 4000, 5000 Jahre schätze ich und ernte Lob. 8000 Jahre, so schlecht habe ich gar nicht geraten. Wir halten am moordunklen Dobbesee. In der Ferne ruft ein Kuckuck. Seeschwalben schlirpen. Im Wasser schwimmen kleine Schwinggrasinseln. Spitt heißen die langen Gräben, so erfahre ich, aus denen Torf abgebaut wurde. Mit Regen- und Grundwasser gefüllt sehen sie wie künstlich angelegte Teiche aus. Sorgsam aufgeschichtet trocknet der Torf.

Anno 1767, erzählt Elke Bontjer, wurde das Land besiedelt, als Preußen nach dem Siebenjährigen Krieg die öde Fläche zufiel. Mit der Moorkultivierung kannten sich die ersten Siedler kaum aus. Die Frauen machten Besen und aus kurzgeschnittenen dichten Heidebüscheln Topfkratzer. Die Männer bauten Buchweizen an. Der Boden wurde abgebrannt, und in die Ascheschicht, die als Dünger diente, kam die Aussaat.

Reich konnte man nicht werden. Wie die Kolonisten vor zweihundert Jahren und bis fast im die Gegenwart lebten, dokumentieren die Häuser der Moorbewohner, rekonstruiert im Museumsdorf, der letzten Station des Moorrundgangs.