Kohabitation

Wer den einen besucht, muß unbedingt auch dem anderen eine Visite machen: Über diese neue französische Regel setzte sich Helmut Kohl hinweg. Letzte Woche traf er den Präsidenten François Mitterrand zu einem "Privatgespräch" im nahe der Hauptstadt gelegenen Schloß von Rambouillet, ohne im Anschluß gleich auch noch den Premierminister Jacques Chirac aufzusuchen. Der Gaullist Chirac war betupft, daß der Christdemokrat Kohl sich nur dem Sozialisten Mitterrand widmete. Vergeblich hatte Chirac vorfühlen lassen, ob Kohl nach dem Gespräch in Rambouillet nicht zu einer kurzen Unterredung mit dem Premierminister nach Paris fahren könne. Den deutschen Gegenvorschlag, Chirac und Kohl sollten doch irgendwo in der Nähe von Rambouillet zusammenkommen, hielten Chiracs Berater für eine Zumutung: Es dürfe nicht so aussehen, als laufe ihr Premier dem deutschen Kanzler nach. Im Matignon, dem Amtssitz des Premierministers, war man pas très content, ziemlich verärgert. Denn es war nicht die erste protokollarische Panne zwischen Kohl und Chirac, der sich schon als Oppositionsführer vom Bundeskanzler vernachlässigt fühlte. Gleich nach seiner Ernennung zum Premier hatte Jacques Chirac einen Antrittsbesuch bei Helmut Kohl geplant. Der war gern bereit, Chirac zu empfangen: in Österreich, wo er zu seiner alljährlichen Abmagerungskur weilte. Ein Treffen unter solch prosaischen Umständen hielt damals freilich der Franzose für "nicht angebracht".

Privataudienz

Vor Vatikanbediensteten Deutschen in Rom, die er alle – vom Kardinal bis zur unbekannten Nonne – mit Pfälzer Spätlese bewirtete, übte sich Helmut Kohl auf seinen Besuch beim Papst ein. Ins kultivierte, doch improvisierte laute Nachdenken über deutsches Vaterland und römische Päpste mischten sich weniger kluge Bemerkungen. Der Kanzler stellte sich als Sprecher aller Deutschen auch jenseits der "Demarkationslinien" dar und erwähnte dabei jene jenseits von Oder und Neiße, die Schwierigkeiten haben, "deutsch zu beten und zu beichten". Trug dies dazu bei, daß am nächsten Tag das Klima bei Kohls einstündigem Gespräch mit dem polnischen Pontifex nur in so kleinem Maße herzlich war, daß es der auf einmal wortkarge Kanzler nicht einmal für erwähnenswert hielt? Wichtiger war für Kohl, daß er als erwert noch vor den deutschen Bischöfen, das Programm der zweiten deutschen in die Bundesrepublik ankündigen konnte und die Seligsprechung der Auschwitz-Märtyrerin Edith Stein noch vor der dafür zuständigen Vatikanbehörde.

Gottgewollte Epidemie?

Die katholische Kirche und die Gesundheitsbehörden machen Prediger der 240 evangelikalen Sekten in Costa Rica dafür verantwortlich, daß Schutzimpfungen gegen Masern nicht so schnell wie erforderlich durchgeführt werden können. Seit Mai meldeten die Krankenhäuser des kleinen Landes Hunderte von Erkrankungen und einen Masern-Todesfall; es ist noch nicht sehr lange her, daß viele Menschen in Costa Rica an Masern-Epidemien starben. Jetzt raten die Sekten ihren Anhängern von Impfungen ab – mit der Begründung, eine solche Manipulation sei nicht gottgewollt.