Je populärer das Filmfest wurde, desto heftiger wurde auch der Hang Hauffs zum Populismus. Einst machten die Münchner Chantal Akerman und Lina Wertmüller bekannt. Heuer luden sie Sergio Leone ein. Als ob der noch Förderung brauchte! Dem Festivalchef mangelte es an Mut, an einer klaren Linie, an cineastischer Sorgfalt. Es gab Häppchen aus Hollywood, einige Leckerbissen aus Europa: Lauter Fast-Food. Hauff interessiert sich für Zahlen mehr als für Bilder. Er will Wachstum, immer mehr Besucher. In diesem Jahr aber wuchsen ihm mächtige Feinde: Beckenbauer, Brehme, Völler siegten klar über Claude Miller, Marco Bellocchio, Chantal Akerman.

Vor zwei Jahren feierten die Münchner enthusiastisch Edgar Reitz’ „Heimat“. Bernhard Sinkel hoffte auf einen ähnlichen Triumph. Er präsentierte „Vater und Söhne“, acht Stunden Geschichtsunterricht, vom Westdeutschen Rundfunk produziert. Es geht um die Machenschaften der IG-Farben, um dämonische und dämliche Deutsche. Eine Folge, zwei Stunden lang, reichte schon aus, den Kinofreund zu verärgern: „Väter und Söhne“ ist schlampig inszeniert, umständlich gegliedert, eine Aneinanderreihung von Halbherzigkeiten.

Claudius Seidl