DIE ZEIT

In der Patsche

Wer eigentlich war noch überrascht, als uns der Spiegel gerade wieder mal die Augen über die Moral der Parteien geöffnet hat? Es ist immer wieder das gleiche Muster: Jetzt sieht es also so aus, als habe auch die SPD dank der gemeinnützigen Friedrich-Ebert-Stiftung und einer Querverbindung zur Naphtali-Stiftung in Israel über eine schwarze Kasse verfügt.

Ehrenboris

Boris Becker, unser Boris, verschleißt die Superlative fast so schnell wie die Saiten auf seinem Schläger. Gestern noch Wunderkind, ist er, glauben wir dem Zeugnis der britischen Presse, die es wissen muß, heute schon "Kaiser von Wimbledon".

Kampfansage

Ja, so hätten sie’s gern wieder, die Konservativen: Ein geschlossenes Geschichtsbild, wie es zu Kaisers Zeiten noch dem ärmsten Volksschüler fürs Leben eingebleut wurde; ein Nationalbewußtsein, das sich in prächtigen Monumenten und Museen manifestiert; dazu alle drei Strophen des Deutschlandliedes und den Stolz auf des Reiches tausendjährige Herrlichkeit, auf daß der Bürger seinem Leben einen Sinn geben und das Volk die verlorene Identität wiederfinden kann.

Warnschuß

Der Rückzug war schmählich. Gedemütigt schlich sich Arturo Tolentino aus dem Luxushotel davon, in dem er tags zuvor seinen Eid als "amtierender Präsident" der Philippinen abgelegt hatte.

Worte der Woche

japanischer Ministerpräsident, aber seinen Wahlsieg "Jede Regierung hat die moralische Pflicht, in humanitärem Geist Probleme zu behandeln, die das Recht von Personen, insbesondere in Familienangelegenheiten, betreffen.

Zeitspiegel

Mit gewaltigem Propagandaaufwand will die britische Kernkraftlobby die Angst vor dem Atom verjagen. In Sellafield an der Irischen See, als atomare Dreckschleuder berüchtigt, soll der Tourismus aufblühen.

Im Erfolg isoliert

Der Wirtschaftsgigant Japan darf nicht länger ein politischer Zwerg bleiben

Wolfgang Ebert: Falschmelder am Werk

Diese Regierung hat – wenn das keine Falschmeldung ist – durch Minister Schäuble auf einen kaum bekannten Beruf aufmerksam gemacht: den professionellen Falschmelder.

Kinder-Demonstration: "Werdet ja nicht so wie wir!"

Mißbrauchten sie nun ihre und anderer Leute Kinder – jene Atomkraftgegner, die letztes Wochenende "Eltern, Erzieherinnen), Kinder, Lehrer(innen) gegen atomaren Tod" zur Kundgebung in Bonn gerufen hatten? Was soll dabei herauskommen, wenn Kinder ihre "Texte zu Tschernobyl" lesen: neue Alpträume, noch mehr Angst vor einer gewaltigen, unverständlichen Bedrohung? Werden Kinder vor der Zeit und gegen ihren Willen wie Erwachsene behandelt? Rita Süssmuth hatte vor dem "Kinderkreuzzug" gewarnt, Franz Josef Strauß die verabscheuungswürdige Manipulation der Jugend angeprangert.

Butter und Bomben

Die Geheimagentin will jetzt, so sagte sie in einem Interview, ein Kind. Bald kann es in idyllischer Umgebung gezeugt werden, wenn die 35jährige Dominique Prieur und ihr Ehemann Joël – beide Hauptleute der französischen Armee – auf dem fernen Hao-Atoll, weitab von aller Unbill dieser Welt, zwischen Tahiti und Mururoa, auf französischem Staatsgebiet, endlich wieder zusammenkommen.

Berlin: Neuer Bauskandal

Ende letzten Monats war ein 45jähriger Angestellter der Bauverwaltung, Wolfgang Siede, unter dem Verdacht der Bestechlichkeit verhaftet worden.

BONNER BÜHNE: Netzwerk der Frauen

Alle Parteien haben die Frauen entdeckt: Es ist Wahljahr, und wenn auch viele Worte, programmatische Bekenntnisse, schon weniger Taten Und eine leichte Aufstockung des weiblichen Polit-Personals nicht ausschlaggebend sein dürften für die künftigen Machtverhältnisse, so gehört doch mit zum Spannendsten, was in diesen Wochen zu diesem Thema läuft.

Cattenom: Mobilmachung im Bundesrat

Seit zehn Jahren verhandeln Deutsche und Franzosen über die Sicherheit des Kernkraftwerckomplexes Cattenom. Endlich soll das Thema auch im Bonner Bundesrat behandelt werden – drei Tage vor der Beladung des ersten Reaktorblocks mit Brennstäben, drei Monate vor der ersten Stromlieferung.

Chile: Pinochet in der Defensive

Kein Bewohner der Vorstadtstraße Fernando Yungue in Santiago de Chile gibt Auskunft. Sie fürchten alle, daß die Militärs zurückkommen könnten, um die Zeugen des Mordes mit brutaler Rache zu überziehen.

Der Papst in Kolumbien

Gegen Guerillaterror, Drogenmafia und Massenarmut, die großen Plagen Kolumbiens, hat der Papst auf seiner vierten Lateinamerikareise zur "nationalen Versöhnung" auf der Basis sozialer Gerechtigkeit aufgerufen.

Aufstieg durch Anpassung

Wer im schönen Mecklenburg, etwa im Kreis Rostock-Land Kind ist, besucht zunächst zehn Jahre lang, vom siebten bis zum sechzehnten Lebensjahr, eine der vielen Grund-, Haupt- und Realschulen, die überall in der DDR zusammengefaßt sind unter dem nicht ganz anspruchslosen Namen Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule.

Heim nach Mainz?

Ein wenig pathetisch klingt heute der Titel einer Informationsbroschüre aus den fünfziger Jahren; "Mainz, die amputierte Stadt im Westen, ruft um Hilfe" ist auf dem Heftchen zu lesen.

Anwälte auf schräger Tour: Kasse mit Knöllchen

Ronald Koenig, der Vorsitzende des Anwaltvereins im westfälischen Münster, nennt sie schlicht "Knöllchen-Anwälte". Damit ist nicht etwa eine neue Sparte von Fachanwälten gemeint, sondern eine Gruppe von schwarzen Schafen in der Advokatenzunft, die "dem Ansehen unseres Standes erheblichen Schaden zufügen", wie Koenig meint.

Demonstrationsrecht: Ruhe auf dem Ku’damm

Zur Apo-Zeit haben die Studenten hier bis in die Nacht hinein diskutiert und noch unbeirrt weiterdemonstriert, als ihnen die Wasserwerfer schon zu Leibe rückten.

Zeit für neue Ideen

Eine Ära geht zu Ende. Wenn IG-Metall-Chef Hans Mayr im Oktober den Vorsitz der größten Einzelgewerkschaft der Welt an seinen Stellvertreter Franz Steinkühler abgibt, ist dies mehr als ein normaler Personalwechsel.

"Die Japaner drücken mehr"

ZEIT: Herr Schmidt, Sie sind der Chefverkäufer des größten europäischen Autoherstellers, Volkswagen. Gerade sind alarmierende Zahlen bekannt geworden.

Bonner Kulisse

Ist Finanzminister Gerhard Stoltenberg auf dem Weg, sich vom knausrigen Kassenwart zum big Spender zu entwickeln? Dieser Eindruck könnte bei jemandem entstehen, der manche Reaktion auf den vergangene Woche im Kabinett vorgelegten Bundeshaushalt 1987 wörtlich nimmt.

Hans Otto Eglau:: Gut für grenzenlose Geschäfte

So wie in der vergangenen Woche in New York und Paris die Pressestatements abgefaßt waren, dürfte der Pakt so gut wie unter Dach und Fach sein: Der amerikanische Mischkonzern ITT wird seine im Telekommunikationsgeschäft tätigen europäischen Tochtergesellschaften in eine von der französischen Staatsfirma Compagnie Generale d’Electricité (CGE) geführte Holding einbringen.

Bürgergehalt für jeden Tunix?

Die eine neun in der Tagesschau vom 1. Juni machte die neueste Verlautbarung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) publik.

Affären: Ende ohne Schrecken

Jedermann weiß: Gewagte Geschäfte können ungünstig ausgehen. Andererseits wird als Lebensregel akzeptiert: Nur wer wagt, gewinnt.

Unternehmer machen Druck

Janßen: Das Überstundenunwesen muß eigentlich jeden, der sich mit Dauermassenarbeitslosigkeit ernsthaft beschäftigt, beunruhigen.

AUTOSELLER

Exakt jeder dritte Personenwagen, der seit Beginn dieses Jahres in der Bundesrepublik neu auf die Straße rollte, wurde im Ausland gebaut.

ZEITRAFFER

Rationalisierung fordert ihren Preis: Durch Investitionen in diesem Bereich gehen auf lange Sicht weit mehr Arbeitsplätze verloren als geschaffen werden.

MANAGER UND MÄRKTE

Dreizehn Jahre lang durften sich die Werbeleute der Düsseldorfer Agentur GGK allein an ihrem Kräuterlikör Jägermeister laben.

Manager: Posse um einen Posten

Die Gegner des Essener Oberbürgermeisters Peter Reuschenbach (SPD) unter den kommunalen Aktionären des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks (RWE) erholten sich schnell von ihrem Schock.

Agrarexporte: Schwarzbunte und Perversitäten

So sieht die Welt der glücklichen Kühe aus: Der Blick reicht tief hinein in die grüne Ebene, am blauen Himmel schweben weiße Wolken, und mitten in der Idylle wird ein prächtiges Rindvieh hingebungsvoll mit OMO-Schaum und einem kräftigen Wasserstrahl bearbeitet.

Wegen der Pille vor Gericht

Mit der Pille hatten die Juristen erhebliche Schwierigkeiten. An der Intensität der Schäden und der Merkwürdigkeit der Fälle ist abzulesen, wie tief gerade dieses Medikament in das ethische Selbstverständnis der Menschen, aber auch in ihr soziales Gefüge eindringt.

Die beste aller Pillen?

Das eigentliche Geburtstagskind, die erste auf dem bundesdeutschen Pharmamarkt erhältliche Pille, ist heute noch im Handel. Aber "Anovlar", so der bezeichnende Name dieses Präparats ("anovulatorisch" bedeutet übersetzt "ohne Eisprung") würde heute nicht einmal die erste Hürde im amtlichen Zulassungsverfahren des Bundesgesundheitsamts überspringen.

Eine Art Schadensabwicklung

Es ist ein auffallender Mangel der Literatur über den Nationalsozialismus, daß sie nicht weiß oder nicht wahrhaben will, in welchem Ausmaß all dasjenige, was die Nationalsozialisten später taten, mit alleiniger Ausnahme des technischen Vorgangs der Vergasung, in einer umfangreichen Literatur der frühen zwanziger Jahre bereits beschrieben war.

Ich weiß nicht, wo es mich hintreibt

MARGARETHE VON TROTTA: Ich weiß nicht, ob man das daraus schließen kann. Wollen Sie das ganze Interview an diesem Satz aufhängen? Jedenfalls war das doch eine Frau, die politisch einiges bewegt hat, zumindest in Deutschland.

Zum absonderlichen Umgang mit Baudenkmälern: Zu Tode geschützt

Ach! Es zeigt sich, daß derlei Gesetze nicht viel taugen. Auf einmal ist es gleich, ob Wirtschaftsmächte oder Denkmalschutz-freaks ihren Druck auf Behörden und Politiker ausüben und hemmungslos ihre berechnenden oder rührseligen Interessen durchzudrücken versuchen.

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