Wenn sich die Opec nicht einigt, können Benzin und Heizöl noch billiger werden,

Von Rainer Hupe

Neues Spiel, neues Glück. Am kommenden Montag treffen sich die Ölminister der dreizehn Opec-Staaten zum vierten Mal in diesem Jahr, um sich in einem Verfahren, das eher an die Pokerpartie notorischer Spieler als an ernsthafte Verhandlungen unter Kartellbrüdern erinnert, auf eine gemeinsame Politik zu einigen. Verlassen die Herren auch Genf ohne konkrete und glaubhafte Ergebnisse, dann winken die Vorteile all jenen, die gar nicht daran beteiligt sind: den Verbrauchern von Ölprodukten auch und vor allem in der Bundesrepublik.

Schon nach dem letzten ergebnislosen Treffen der Opec-Vertreter Ende Juni im jugoslawischen Ort Brioni purzelten die Ölpreise auf kaum für möglich gehaltene Tiefstwerte. Die Spot-Notierung für die Marke Brent aus der Nordsee fiel zeitweise unter neun Dollar pro Barrel, so billig war Öl seit zwölf Jahren nicht mehr. Für Lieferungen aus Dubai wurden sogar 7,50 Dollar pro Barrel genannt. Ausgerechnet Anfang Juli, zu Beginn der Ferienzeit, die von den Ölkonzernen in der Vergangenheit gern genutzt wurde, um die Erträge ein wenig aufzubessern, sanken diesmal die Spritpreise. Und das könnte so weitergehen, wenn die Opec-Minister auch die Schweiz wieder im Streit verlassen. Ölmarktexperten wie Heinz Jürgen Schürmann vom Energiewirtschaftlichen Institut der Universität Köln rechnen damit, daß ein Barrel Rohöl dann nur noch vier Dollar kosten könnte, soviel wie zuletzt 1973 vor der ersten Krise.

Boom beim Händler

"Solch einen totalen Verfall hat wohl niemand erwartet", meint denn auch Frank Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes in Hamburg. Am allerwenigsten offenbar die Hauseigentümer in der Bundesrepublik. Denn sie füllten ihre Tanks in den ersten sechs Monaten in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß. Von Januar bis Juni verkauften die Händler 42 Prozent mehr Heizöl als in der gleichen Zeit des vergangenen Jahres. Während sonst die Lager am Ende des ersten Halbjahres zu weniger als der Hälfte gefüllt waren und der Nachfrageschub nach den großen Ferien einsetzte, hat der "Befüllungsstand", wie die Statistiker das nennen, inzwischen bereits die Marke von 70 Prozent erreicht – zum Ärger der meisten Käufer. Denn der Preis ist gegenüber dem Durchschnitt des ersten Halbjahres inzwischen deutlich gefallen.

Für Leute mit starken Nerven dürfte sich weiteres Warten obendrein noch lohnen, nicht nur, weil es unwahrscheinlich ist, daß sich die Ölminister in Genf schon einigen, sondern auch aus einem ganz anderen Grund. "Irgendwann kommt das Nachfrageloch", fürchtet MWV-Geschäftsführer Schmidt. Denn noch immer werde Heizöl geordert, "zu unserer Überraschung", stellt Schmidt fest, und die Preise seien in den letzten Tagen sogar gestiegen. Doch wenn die Tanks voll sind und die sonst übliche Nachfrage nach den Ferien ausbleibt, dann dürfte ein weiterer Preisrutsch unausweichlich sein.