DIE ZEIT

Quittung

Herbert Hupka hat die Siebzig überschritten. Da hätte er so einsichtsvoll sein sollen, diesmal auf ein CDU-Bundestagsmandat von sich aus zu verzichten.

Groteske

Eine Art Mini-Mindszenty in der Bonner DDR-Vertretung, Herbert Meißner als belagerter Dauergast – zu dieser absurden Konsequenz hätten sich die 29,80 Mark, die der Ostberliner Besucher in einem Westberliner Kaufhaus sparen wollte, auswachsen können.

Gute Geste

Heiner Geißler liebt die Konfrontation. Für seine maßlosen Attacken ist der CDU-Generalsekretär zu Recht oft gescholten worden.

Ende der Eiszeit

Es war kein Waldspaziergang, es blieb bei einem kurzen Bummel durch ein Wäldchen im Schatten Moskauer Betonklötze. Doch im Gegensatz zu den 1983 gescheiterten Genfer Unterhändlern Nitze und Kwitzinskij handelten die beiden Männer, die am Dienstag mittag hinter dem Gästehaus des Moskauer Außenministeriums promenierten, mit allerhöchstem Segen.

Panik ist die falsche Antwort

Deutschland im Sommer 1986: Ein geteiltes Land macht sich häßlich. Und es ist schwer zu sagen, ob die kommunistische Diktatur im Osten oder die freiheitliche Demokratie im Westen mehr dazu beiträgt, das Bild der Deutschen zu verfinstern.

Worte der Woche

„Wie mit allen bisherigen Premierministern erfreut sich die Königin einer Beziehung von höchster Vertraulichkeit mit Frau Thatcher.

Zeitspiegel

Nelson Mandela, der seit über zwei Jahrzehnten eingekerkerte Führer der schwarzen Befreiungsbewegung in Südafrika, wird in spätestens zwei Jahren auf den Fernsehschirmen der westlichen Welt erscheinen – als Hauptfigur und Held eines mehrteiligen amerikanischen Spielfilms.

Wandel ohne Annäherung

Das Kriterium Freiheit markiert unverändert den fundamentalen Unterschied der Blöcke

Willy Brandt im Gespräch: Welche Chancen hat Johannes Rau? Wie sieht die Zukunft für die SPD aus? Vor dem Parteitag Ende August in Nürnberg schaut der Vorsitzende nach vorn.: Mit fröhlicher Entschlossenheit

Willy Brandt rückt mehr in den Hintergrund, er will das auch so. Während der Kanzlerkandidat Johannes Rau quer durch die Republik reist, um für sich zu werben, schreibt Willy Brandt mit seinem Filzstift auf, was er der SPD während des Parteitages Ende August in Nürnberg sagen möchte.

Wolfgang Ebert: Heimkehr

Meißner: Es geht hier einfach um das Problem der dritten Frau. Jeder Mehrfach-Ehemann muß sich damit herumschlagen. Die dritte Frau will ihren Vorgängerinnen nicht nachstehen.

Kohl muß die Scherben kitten

Das eigentliche Heiligtum in der deutschfranzösischen Partnerschaft ist der Dialog zwischen dem Staatspräsidenten und dem Bundeskanzler.

Tschernobyl: „Menschliches Versagen“

Was im Moskauer Politbüro, dem obersten Führungsgremium der Partei, besprochen und auszugsweise in den sowjetischen Zeitungen veröffentlicht wurde, reicht aus, um an der Funktionsfähigkeit des Staatsapparates zweifeln zu lassen.

Italien: Krise ohne Ende

Anfang der Woche hatte es Giulio Andreotti nach elftägigen Überredungskünsten aufgegeben, die bisherige Fünferkoalition wieder zusammenzukitten.

„Die Welt wird mir meine Lügen verzeihen“

Noch immer leidet Äthiopien an den Folgen der Hungerkatastrophe. Westliche Hilfsorganisationen kritisieren das brutale Umsiedlungsprogramm der marxistischen Machthaber und die Zwangskollektivierung von Millionen Bauern.

Japan: Nakasone bleibt im Amt

Der Erdrutschsieg der Liberaldemokraten bei den Parlamentswahlen in Japan war ein persönlicher Triumph für Ministerpräsident Nakasone.

Nahost: Schimon Peres bei König Hassan

In die Geschichte des israelischarabischen Konflikts schien 1986 bislang als das Jahr einzugehen, in dem die Hoffnungen auf Schritte zu einer Friedenslösung notgedrungen aufgegeben werden mußten.

Mönch im Stephansdom

Sechs Zeilen in der Vatikanzeitung Osservatore Romana über die Ernennung eines „Mönchs der Abtei Göttweig“ zum neuen Erzbischof von Wien genügten für einen Schock.

DDR-Miniaturen (VI): Nach Tschernobyl

Nach der Reaktorkatastrophe in der Ukraine herrschte zunächst Funkstille. Die DDR-Bürger erfuhren tagelang nur aus dem westlichen Funk und Fernsehen, was in Tschernobyl passiert war und welche Folgen angeblich im rund 2000 Kilometer entfernten Deutschland zu erwarten waren.

DDR-Biographien (VI): Der Volkspädagoge

Heinz Wiegand, 65 Jahre alt, Obermuseumsrat a. D. aus Gotha in Thüringen, glaubte, daß die DDR mehr aus ihm gemacht hat, als er je vom Schicksal erwarten konnte.

Mit Musik gegen Atom und Lobby: Töne! Steine? Scherben.

Wie intensiv haben Verfassungsschutz und Polizei in der Szene lauschen müssen, um zu „Erkenntnissen“ darüber zu gelangen, daß das „Anti-WAAhnsinnsfestival“ in dem kleinen oberpfälzischen Städtchen Burglengenfeld am kommenden Wochenende als Aufmarschgelände für militante Gegner der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) herhalten soll? Den offiziellen Auskünften des bayerischen Innenministeriums nach zu urteilen, genügten zwei Quellen: Der Trierische Volksfreund und ein Anschlag am Schwarzen Brett der Tübinger Universität.

Kandidat Rau eilte durch Schleswig-Holstein: Amerika in Büsum

Es sah aus, wie der Beginn einer kleinen Revolution. Aber wer will schon das Rathaus von Büsum stürmen? Die Menschen, die sich vor dem roten Backsteinbau am späten Vormittag des vergangenen Sonnabends versammelten und ihre Spruchbänder gestrafft vor sich hertrugen, wollten Johannes Rau sehen.

Was uns unterscheidet, worin wir ähnlich sind

Für einen Polen, geboren im Januar 1945 in einer Familie, die keine historischen oder geographischen Bindungen zu den Deutschen hatte, war das Studium der Germanistik keine Selbstverständlichkeit.

Unsinniger Glaubenskrieg

Die Überschrift, die diese Woche im Magazin Newsweek steht, ist erschreckend: „Amerika droht den Verbündeten mit einem Währungskrieg.

Gegner wurden wieder Gegner

So stellt sich ein alter Finanzhase den Tag X vor: „Die Börse gerät in Aufregung. Die Gewerkschaften veröffentlichen Kommuniques.

Herstatt-Prozeß: Neuauflage

So spektakulär der Zusammenbruch des privaten Kölner Bankhauses Iwan D. Herstatt 1974 war, so spektakulär war auch der Prozeß, der gerade noch rechtzeitig vor Eintritt der Verjährung mit der Verurteilung der Angeklagten abgeschlossen wurde.

Heinz Blüthmann:: Abschied von einer Illusion

Das ist schon erstaunlich: Die Krise der Werften dauert nun mehr als zehn Jahre. Solange funkt die Branche in regelmäßigen Abständen SOS; weil ihr das Wasser bis zum Hals steht, schrillen die Alarmglocken, weil aus dem Sturm ein vernichtender Orkan zu werden droht, wird nach dem Rettungsanker gesucht.

Luftverkehr: Zweierlei Maß

Großbritannien wehrt sich verzweifelt gegen eine Invasion amerikanischer Fluglinien. Bis zum 31. Juli haben die Briten noch Zeit, ein entsprechendes Abkommen mit der amerikanischen Regierung unter Dach und Fach zu bringen.

Bonner Kulisse

Was Staatssekretär Dieter von Würzen nach einer Anfrage des Grünen-MdB Henning Schierholz herausgefunden hat, dürfte Wasser auf die Mühlen der USA sein, die Bonn immer wieder eine zu lasche Überwachung des Technologie-Transfers via Osten vorwerfen.

Deutsche BP: Klein, aber nicht fein

Das Signal für den Neuanfang wirkt unfreiwillig komisch: „Nach den Jahren der Umstrukturierung“, schreibt die Deutsche BP in ihrem Geschäftsbericht, der Anfang August veröffentlicht wird, „konnte sich das Unternehmen 1985 wieder voll auf seine Aufgabe im Markt konzentrieren.

Zeitungsmarkt: David gegen Goliath

Firmengründer gibt es mittlerweile eine ganze Menge. Rund 318 000 Mutige zählte das Institut für Mittelstandsforschung allein 1985 – ein Rekord.

Automobilindustrie: Den Stern im Visier

Wir denken, das beste Auto der Welt ist der Mercedes“, lobt Hidekuni Hagiwara. Das Kompliment an den deutschen Konkurrenten ergänzt der Entwicklungsingenieur des japanischen Autokonzerns Honda weniger bescheiden: „Deshalb stellt sich für uns die Frage, wie wir Daimler-Benz schlagen können.

MARKT-REPORT: Die Kundschaft wird unruhig

Jede Woche Jahrestiefstkurse bei den Akien! Das zehrt an den Nerven der privaten Bankenkundschaft. Als die Aktien fast täglich neue Spitzennotierungen erreichten, waren die meisten Kunden nicht zum Verkaufen zu bewegen gewesen.

LÄNDER IM VERGLEICH

Mehr als eine Milliarde Menschen, das entspricht etwa der Hälfte der erwerbsfähigen Bevölkerung in der Welt, hat derzeit keinen Arbeitsplatz.

ZEITRAFFER

Streiks und Aussperrungen erhitzen zwar die Gemüter, gesamtwirtschaftlich gesehen könnten die Auseinandersetzungen aber mit mehr Gelassenheit verfolgt werden.

Umdenken ist gefragt

Wilms: Ja, das Ausbildungsjahr beginnt im Herbst und deshalb haben diese jungen Leute sehr wohl noch eine Chance. Sie müssen sich natürlich immer wieder bemühen, dürfen es nicht nur bei schriftlichen Bewerbungen bewenden lassen; sie müssen auch einmal mündlich und persönlich vorstellig werden.

MANAGER UND MÄRKTE

Als Heinrich Weiß, Chef der vorwiegend im Walzwerksbau tätigen Schloemag-Simag AG, vor einiger Zeit nach dem Schicksal des amerikanischen Konkurrenzunternehmens United gefragt wurde, wußte er nichts Gutes zu berichten.

Konsum ergo sum

Was tun wir, wenn wir nichts tun? Wenn wir nicht arbeiten? Tun wir etwas „Sinnvolles“, oder überlassen wir uns etwas so Schlaffem wie „bloßem Konsum“? Bilden wir uns weiter oder zurück, will sagen, machen wir was aus uns, oder regredieren wir zu kompletten Konsumidioten mit CD und P.

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