Von Barbara Sichtermann

Was tun wir, wenn wir nichts tun? Wenn wir nicht arbeiten? Tun wir etwas „Sinnvolles“, oder überlassen wir uns etwas so Schlaffem wie „bloßem Konsum“? Bilden wir uns weiter oder zurück, will sagen, machen wir was aus uns, oder regredieren wir zu kompletten Konsumidioten mit CD und P.C.?

Der Konsum, dieses Massengrab aller höheren Erziehungsabsichten und guten Vorsätze, aller Mündigkeitsbestrebungen und Verantwortlichkeiten, aller Subtilitäten und Sublimierungen – was hat es mit ihm auf sich? Ist der Mensch als Konsument wirklich so verächtlich und, falls nicht, warum empfindet er sich so? Falls doch, warum erhebt er sich nicht endlich über dieses große K und macht etwas Besseres daraus?

Warum überhaupt reden wir von uns als kaufenden, essenden, uns vergnügenden Leuten als von Konsumenten, warum bezeichnen wir den Tanz ums gebratene Kalb und um die goldenen Schuhe, um Möbel, Fernseher, Autos und Kinobesuche als Konsum?

Konsum ist von Geburt ein volkswirtschaftlicher Terminus. Als solcher bezeichnet er eine Grenze der ökonomischen Wissenschaft: Diese ist für den Konsum nicht mehr zuständig, sie operiert mit ihm als einer globalen Größe, aber sie macht ihn nicht zum Thema. Ihr Gegenstand sind die Güterkreisläufe in der Volkswirtschaft, und diese Kreisläufe schließen sich, bevor der Konsum im Sinne des Gebrauchs beginnt. Die Ökonomie kennt ihn nur als Kauf, also als Ausgabe von Geld und Hingabe von Ware.

Fällt ein sogenanntes Gut in den Rachen der Konsumtion, so ist es für die Ökonomie nicht mehr vorhanden, sie hakt es dann gleich ab, streicht es durch. Die „Definition“ ist hier im wörtlichen Sinn eine Ausgrenzung, ja man könnte sagen: Im Begriff Konsum wird das, was die Leute mit den Dingen tun, wenn sie sie erworben haben, aus der Diskussion ausgesperrt, die Wissenschaft schließt die Eßzimmertür, bevor sie sich im Studierzimmer einrichtet.

Zwar gilt der Konsum als Zweck des Wirtschaftens, der Zweck selbst aber wird nicht betrachtet, er bleibt extern. Diese negative Ladung gibt dem Konsum-Begriff seinen Charakter. Die deutsche Übersetzung „Verbrauch“ ist annähernd ebenbürtig, auch sie betont ja, daß hier Dinge erledigt, vertilgt, durchgestrichen werden, bewahrt allerdings den Schatten einer Erinnerung daran, daß jene, bevor sie verschwanden, vielleicht zu etwas nütze waren, daß sie ge-, bevor sie verbraucht wurden.