Ein Bauernhaus steht zum Verkauf. Es ist das Elternhaus des Erzählers, aus dem er als Kind im Juni 1945 floh, ohne je vermißt zu werden. Als interessierter Käufer mit verändertem Namen kehrt er zurück und begegnet dem großen Schrecken seiner Kindheit, dem Vater.

Bei der Hausbesichtigung wird ihm klar, daß der alte Mann sich nicht geändert hat. Starrsinn, Brutalität, Heimtücke und Bosheit bestimmen noch immer sein Handeln. Ratlos flieht der Sohn ein zweites Mal –

Hanna Lehnert: „Wie ein rostiger Nagel im Brett oder: Die zweite Flucht“; Anrich Verlag, Kevelaer; 208 S., 19,80 DM.

Die Abrechnung mit den Vätern hatte in der bundesrepublikanischen Literatur der frühen achtziger Jahre Hochkonjunktur. Doch das erste Jugendbuch von Hanna Lehnert darf mit Standortbestimmungen von Söhnen in der Manier von Härtling oder Meckel nicht verwechselt werden. Die erzählerische Konstellation und damit die Absicht der Autorin ist anders.

Wenn Franz sich an Beschimpfungen, Prügel, Drill und Borniertheit seines Vaters in den Jahren zwischen 1939 und 1945 erinnert, sucht die Autorin keine Zusammenhänge zwischen frühen Erlebnissen und späteren irreparablen Beschädigungen. Das Elend spricht und steht nur für sich selbst.

Der Vater spielt sich als führerergebener Nationalsozialist auf, läßt Frau und kleine Kinder schuften, denunziert Nachbarn, quält den polnischen Fremdarbeiter, versteckt Feigheit hinter Linientreue und Sadismus hinter Fürsorge.

Die liebevolle Demut der Mutter ruft Trauer, die frühreife Gegenwehr der Schwester Mitgefühl hervor.