Die „nukleare Community“ aus Atomindustrie und Stromwirtschaft steht nicht erst seit Tschernobyl im Kreuzfeuer der Kritik, die nicht immer sachlich ist. Seit Tschernobyl hat sich die Kritik noch verschärft, nicht selten werden die Repräsentanten der Branche bis ins Persönliche diffamiert. Polemik und Polarisierung geben jedenfalls immer häufiger Anlaß zu berechtigter Klage. In solchem Klima gedeihen schließlich auch Terror und Gewalt.

Um so unverständlicher ist, daß die Industrie nun sozusagen mit gleicher Münze zurückzahlt. Was die DWK, Betreiber der Wackersdorfer Wiederaufarbeitungsanlage, sich vor einigen Wochen unter dem Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ per Zeitungsanzeige über Strahlungsrisiken geleistet hat, lag so haarsträubend neben seriöser Information, daß das Unternehmen die Leser vierzehn Tage später um Entschuldigung bitten mußte.

Das jüngste Inserat der Kraftwerksunion aus dem Hause Siemens, in dem die Frage gestellt wird, ob es verantwortbar sei, „die Kernenergie nicht zu nutzen“, ist auch ein unglaublich arroganter Versuch von Lesermanipulation. Das sollte sich dieser Industriezweig nicht leisten. Wenn die Atomwirtschaft ihr Produkt weiter so verkauft, muß sie sich nicht wundern, daß ihr bald niemand mehr glaubt. Ängste, die nicht von ungefähr kommen, sind ernster zu nehmen. hff