Geht es wieder einmal nur mit Verboten? Freiwillig nehmen zu wenig deutsche Autofahrer das Gebot der Stunde an, bleifreies Benzin in ihren Motoren zu verfeuern. Der entschärfte Treibstoff ist zwar praktisch überall verfügbar, denn er wird mittlerweile an siebentausend von insgesamt 17 000 Tankstellen im Bundesgebiet angeboten. Auch müßte der Preisvorteil zum Schutz der Umwelt verlocken – bleifrei ist dank geringerer Belastung mit Mineralölsteuer überall um zwei Pfennig pro Liter billiger. Aber dennoch tankt nur jeder zehnte Autofahrer den umweltfreundlichen Sprit, obwohl vierzig Prozent der Benzinautos bleifrei vertragen.

Das Mißverhältnis hat zwei Gründe: Erstens lieben viele Deutsche ihre Automobile und fürchten, ihnen mit dem Bleientzug einen Tort anzutun. Und zweitens sind die Auskünfte von Autoherstellern, Werkstätten und Fachblättern widersprüchlich, wenn es um die entscheidende Frage geht: Kann mein Auto bleifreies Benzin klaglos vertragen? Deshalb hat es wenig Sinn, das bleihaltige Normalbenzin einfach zu verbieten, wie es jetzt wieder gefordert wird. Die deutschen Autofetischisten zahlen aus Angst vor einem Motorschaden sicher auch den Superpreis mit Blei. Den Vorteil hätten nur die Ölkonzerne, die bei einer Sorte weniger erhebliche Kosten sparen. üth