ZEIT: Herr Giesel, Ihr Unternehmen wirbt in großformatigen Anzeigen für das Heizöl und die Ölheizung. Wittern Sie angesichts der stark gesunkenen Ölpreise Morgenluft, wollen Sie verlorenes Terrain zurückgewinnen?

Giesel: Natürlich wittern wir Morgenluft. Leichtes Heizöl ist derzeit für den Hausbrand wie für den gewerblichen Verbraucher so günstig wie schon lange nicht mehr. Wir haben in vielen Städten der BRD, in denen Raab Karcher vertreten ist, unsere Heizölpreise mit den Gaspreisen verglichen. Das Ergebnis: Erdgas war erheblich teurer als Heizöl.

ZEIT: Ist dieser Vergleich nicht unfair? Schließlich werden viele Gasversorgungsunternehmen ihre Preise erst zum 1. Oktober senken – Ermäßigungen von zwanzig Prozent und mehr sind bereits angekündigt worden.

Giesel: Diese Preissenkungen werden nichts an der Tatsache ändern, daß das Heizöl signifikante Preisvorteile hat. Die Differenz kann ein wenig kleiner werden, der Heizölpreis wird schwanken, aber er wird für den Verbraucher auch weiterhin sehr attraktiv bleiben.

ZEIT: Nun sieht es ja so aus, als werde der Ölpreis im zweiten Halbjahr 1986 niedriger sein als in der ersten Jahreshälfte. Und das bedeutet dann wegen der Anpassungsklauseln, die zwischen den großen Gasimporteuren und den lokalen Verteilern gelten, eine neuerliche Gaspreissenkung. Wird dann nicht Gas, wenn auch mit zeitlicher Verzögerung, genauso billig wie Öl?

Giesel: Ganz sicher nicht. Sie dürfen nicht übersehen, daß der Fixkostenanteil beim Gas deutlich höher ist als beim Öl. Es kostet – bezogen auf die abgesetzte Menge – sehr viel mehr Geld, ein Rohrnetz für die Gasversorgung zu unterhalten, als Heizöl herzustellen und mit Tankwagen zum Kunden zu fahren. Auf Grund der Kostenstruktur kann Gas also nicht um den gleichen Prozentsatz billiger werden wie Heizöl.

ZEIT: Wenn Ihre Botschaft beim Verbraucher richtig ankommt, dann müßte es ja mit der Umstellung von Öl auf Gas ein Ende haben und vielleicht sogar eine Rückkehr zum Öl geben.