Von Arnd Krüger

Am 1. August 1936, vor genau fünfzig Jahren, eröffnete Adolf Hitler in Berlin die Spiele der XI. Olympiade – das „Fest des Friedens“ in der nationalsozialistischen Diktatur. Deutsche Medaillengewinner von 1936 wollen sich aus Anlaß dieses Datums am 15. August in Berlin treffen. Für sie waren diese Olympischen Spiele der Höhepunkt ihrer sportlichen Laufbahn. Was bedeuteten sie für das Nazi-Regime?

„Wenn die Olympiade vorbei, schlagen wir die Juden zu Brei!“ Dieser Spruch der SA charakterisiert die Situation 1935 in Deutschland. Eine gewisse Schonfrist schien den Nazis offensichtlich angebracht, denn nach dem Verbot der kirchlichen Sportorganisationen und dem Erlaß der Nürnberger Rassengesetze begann sich eine internationale Bewegung zum Boykott der Berliner Spiele auszubreiten. Propagandaminister Goebbels aber wollte die Spiele als ein Mittel, die „Weltmeinung“ für Deutschland einzunehmen, die kulturelle Isolation des Dritten Reiches zu durchbrechen und um der deutschen Bevölkerung vor Augen zu führen, daß die Welt dem Nazi-Regime zustimme.

Im Unterschied zu den Boykottaktionen der Gegenwart beteiligten sich damals keine Regierungen an der öffentlichen Boykottdiskussion. Und das Internationale Olympische Komitee akzeptierte die Bedingungen im nationalsozialistischen Deutschland. Als sich schließlich der amerikanische Sportbund mit 58:55 Stimmen für die Teilnahme entschied, zerfiel die Boykottbewegung, und die Spiele von 1936 nahmen jenen glänzenden Verlauf, der sie zu einem emotionalen Höhepunkt der Nazi-Herrschaft werden ließ.

Das zwiespältige Verhältnis der deutschen Sportbewegung zur NS-Zeit wird noch heute besonders deutlich im Umgang mit diesen Olympischen Spielen. Zu keiner Zeit hatte Sport in Deutschland einen höheren Stellenwert. In der Schule wurde die tägliche Sportstunde eingeführt, Traum einer Generation von Leibeserziehern. Arbeit im Sport wurde offiziell als Arbeit für „Volk“ und „Vaterland“ gewürdigt. Am Eröffnungstag der Sommerspiele wurde die gesamte sportliche Jugendarbeit in die Hitler-Jugend eingegliedert, was den Rang deutlich macht, den der Staat dem Sport zuwies.

Nie zuvor hatten an Olympischen Spielen so viele Nationen, so viele Zuschauer teilgenommen. Es waren die ersten Spiele des heute gewohnten gigantischen Zuschnitts. Daß Deutschland schließlich noch Platz eins in der Medaillenwertung erreichte, war der Gipfel. Damit hatte nicht einmal der Reichssportführer gerechnet.

Die Olympischen Spiele waren aber nicht nur ein glänzendes Sportereignis, sie waren auch der Höhepunkt der Instrumentalisierung des Sports für die politischen Ziele der Nationalsozialisten. Juden waren aus dem deutschen Sport bereits ausgeschlossen, „Halb-Juden“ ließ man noch widerwillig zu. Das amerikanische IOC-Mitglied Charles H. Sherrill versuchte im August 1935 in einer längeren Unterredung in München, Hitler davon zu überzeugen, daß er den amerikanischen Olympiaboykott nur abwenden könne, wenn er wenigstens einen Juden in die deutsche Mannschaft aufnehmen lasse. Hitler lehnte strikt ab und drohte, bei einem Olympiaboykott „rein deutsche Olympische Spiele“ zu organisieren.