Dem guten alten Kaiser Franz Josef bleibt auch nichts erspart. Das Bildnis des Herrn aus der k. u. k. Monarchie wurde jetzt in vieltausendfacher Ausfertigung in ein Gaunerstück verwickelt. Finanzbehörden und Notenbank kamen einem Dreh mit österreichischen Golddukaten auf die Spur. Den Dukaten, den das Porträt von Kaiser Franz Josef ziert, gibt es in zwei Ausführungen. Der Preis hängt vom Goldkurs ab. Der einfache Dukaten kostet zur Zeit einschließlich zwanzig Prozent Mehrwertsteuer umgerechnet 105 Mark in Österreich, die große Münze – der „vierfache Dukaten“ – rund 428 Mark. Der Staat wurde zumindest um mehrere hundert Millionen Schilling Umsatzsteuer, vielleicht sogar um eine Milliarde Schilling (umgerechnet rund 140 Millionen Mark) geprellt. Nach mehreren Münzhändlern wird in Österreich gefahndet, sie sind aber wohl längst über alle Berge.

Das System funktionierte so, daß Münzen zuerst ein paarmal im Inland von einer Firma zur anderen und schließlich an eine Bank verkauft wurden. Danach folgte der Verkauf ins Ausland. Schon bei dem Handel im Inland schaute der Staat durch die Finger: Einer der Zwischenhändler – wie sich mittlerweile herausgestellt hat, waren einige Scheinfirmen darunter – lieferte die vom Käufer kassierte Mehrwertsteuer nicht ab. Auf den Münzen liegen in Österreich zwanzig Prozent Mehrwertsteuer, der Staat erhebt sie mit dem Argument, daß Dukaten kein Zahlungsmittel mehr sind.

Die Steuerhinterziehung im Inland war der erste Coup, der zweite folgte dann mit Hilfe des Auslandes und einiger ahnungsloser und gutgläubiger Banken. Die Münzen wurden in Österreich zuletzt an eine Bank verkauft, nur eine Bank darf Münzen aus Österreich exportieren. Von dort wurden sie auf Bestellung an Abnehmer ins Ausland geliefert, nach den bisherigen Ermittlungen vorzugsweise an Firmen in Liechtenstein und in der Schweiz. Diese Abnehmer dürften mit den österreichischen Münzhändlern unter einer Decke gesteckt haben.

Liechtenstein und die Schweiz erheben im Gegensatz zu Österreich keine oder nur eine sehr geringe Steuer auf diese Münzen, so daß die Rendite für die Käufer gesichert war.

Vom Ausland wurden die Dukaten schlicht wieder nach Österreich zurückgeschmuggelt, wobei sich die cleveren Händler selbstredend die Einfuhrumsatzsteuer sparten. Dieselben Münzen, die schon als Exportgüter im Ausland gewesen waren, wurden nun wieder über eine Reihe dubioser Firmen im Inland verkauft, wieder verschwand irgendwo unterwegs die Mehrwertsteuer. Schließlich landeten die Münzen, denen man ihre Vergangenheit nicht ansah, bei einer Bank, dort hatte sich schon der Abnehmer aus dem Ausland gemeldet. Das Spiel ging von vorne los.

Aufgeflogen ist der Schwindel erst dadurch, daß man sich in Österreichs Nationalbank die Augen rieb: Die Exporte von österreichischen Goldmünzen waren in diesem Jahr laut offizieller Exportstatistik plötzlich um ein Vielfaches höher als die gesamte österreichische Produktion. Irgendwo mußte da eine wundersame Münzvermehrung stattgefunden haben.

Die Sache ist nun aufgedeckt, nach den Anführern des großangelegten Betruges wird gefahndet. Trotzdem bleiben einige Merkwürdigkeiten. Warum, so fragt sich der österreichische Steuerbürger, fiel so spät auf, daß einige dieser neu gegründeten Münzhandelsfirmen ihre Umsatzsteuer nicht ablieferten? Immerhin, so nimmt man an, ging der Handel schon seit Mitte vergangenen Jahres. Die amtliche Antwort lautet, daß einige der Schwindelfirmen aufgelöst wurden, ganz offiziell in Konkurs gingen oder sonst irgendwie verschwanden. Es habe lange gedauert, bis man die Zusammenhänge erkannte.