Drei Mädchen im Anmarsch. Schon von weitem ahnt man: Die haben etwas mit dir vor. Sie kichern, etwa zwanzig Meter von dir entfernt, hinter der vorgehaltenen Hand. Auf zehn Schritte herangekommen, haben sie die größte Mühe, ernst zu bleiben. Die drei sind zwischen zwölf und vierzehn.

„Können Sie uns sagen“, fragt die Mutigste, „wie man hier nach Teufelsbrück kommt?“ – Es gibt nur diesen einen Weg an der Elbe entlang. Man braucht nur geradeaus zu gehen, und man ist da. Natürlich, sie wissen das. Aber sie sind nun einmal, mit unterdrücktem Glucksen, fest entschlossen, die Erwachsenenwelt herauszufordern.

Wie die drei so dastehen, kichernd, spürt man sofort: Die sind dir überlegen. Vor allem durch ihre Fähigkeit, beim geringsten Anlaß in das allergrößte Gelächter auszubrechen.

Ich erinnere mich, wie mein Großvater früher keine Gelegenheit ausließ, mit Kindern auf der Straße ins Gespräch zu kommen. Und immer, wenn er Mädchen vor sich hatte, redete er sie an mit: „Na, Jungs.“ Sie wollten sich dann totlachen über die Dummheit eines Erwachsenen, der nicht mal Jungens und Mädchen unterscheiden konnte.

Etwa drei Kilometer noch bis Teufelsbrück. Es gibt nur diesen einen Weg, und ich schalte schnell, ich nehme die Herausforderung an, als sie mich fragen: „Wie kommt man hier nach Teufelsbrück?“ Ich sage: „Also, da gibt’s nur eins, ihr müßt zum anderen Ufer der Elbe und dann zurück mit der Fähre.“

Ein Augenblick der Verwirrung. Sie starren mich an, und plötzlich die Erkenntnis: So doof ist der ja gar nicht, der Alte. Sie kichern nun ganz offen.

Zugegeben, ich bin ein bißchen stolz, daß sie mich anerkannt haben. Gerhard Seehase