Mit Geld allein ist den Ländern der Dritten Welt nicht gedient Nur fairer Handel kann wirklich helfen.

Wer heute als Entwicklungshelfer in die Dritte Welt geht, braucht viel Idealismus und Elan: Denn egal ob in Manila, Ouagadougou oder Mexico City – die Situation ist deprimierend: Die Armut wächst, die Erfolge der Helfer sind bescheiden, die Rückschläge groß. Straßen und Fabriken, die einst im großen Stil gebaut wurden, verfallen; Alphabetisierungskampagnen, voller Mut angepackt, stocken; in den Krankenhäusern können die Ärzte nicht mehr helfen, weil es an Medikamenten fehlt.

Längst sind die kühnen Pläne für eine bessere Zukunft vergessen, die die Regierungen der Dritten Welt zusammen mit ihren Entwicklungsberatern in den sechziger und siebziger Jahren schmiedeten. Heute ist man in den Hauptstädten Südostasiens, Afrikas und Lateinamerikas froh, wenn man wieder einmal die internationalen Gläubiger um ein paar Monate vertrösten konnte; an große Ausgaben für Reparaturen von Fabriken und Bewässerungsanlagen, für Lehrergehälter, Schulbücher und Medikamente ist nicht mehr zu denken. Die Staatskassen sind leer, die Devisenschulden der Dritten Welt auf die unvorstellbare Summe von rund zwei Billionen Mark angeschwollen.

Der deutsche Entwicklungsminister Jürgen Warnke hatte recht, als er bei der Vorstellung der Bilanz seines Hauses für 1985 darauf hinwies, daß es für die Industrieländer heute mit dem Verteilen von Entwicklungshilfe allein nicht mehr getan ist. Knapp neun Milliarden Mark hat die Bundesrepublik im vergangenen Jahr – teils in Form von Zuschüssen, teils als billige Kredite – an die Dritte Welt überwiesen. Die westlichen Industrieländer insgesamt dürften rund sechzig Milliarden Mark an öffentlichen Geldern gespendet haben – nicht mehr als ein Almosen, wenn man die Höhe der Schulden bedenkt.

Der Minister zeigte deshalb Courage, als er selbstkritisch betonte: Viel wichtiger als die finanzielle Hilfe sei es jetzt, den Ländern eine Chance zu geben, selbst Geld zu verdienen. Gerade die Europäer aber leisteten hier wenig Unterstützung. Was helfe es, fragte Warnke, wenn sein Ministerium an der Elfenbeinküste eine Rindermaststation unterstütze, gleichzeitig aber die Märkte in der Hauptstadt Abidjan mit heruntersubventioniertem Billigfleisch aus Europa überschwemmt würden? Die einheimischen Bauern hätten überhaupt keine Chance, sich zu bewähren.

Die Produktion einer Tonne Rindfleisch kostet in Afrika und Südamerika 1200 Dollar, in Europa rund doppelt so viel. Trotzdem wird das überschüssige europäische Fleisch auf den Weltmärkten zum Dumpingpreis von 1000 Dollar verscherbelt. Wie sollen die Entwicklungsländer bei dieser unfairen Konkurrenz Devisen verdienen, sich aus der Armut befreien?

Das Sündenregister der Industrieländer – auch der Vereinigten Staaten – ist lang. So sehr sie sich mit ihrer Hilfe an die Dritte Welt brüsten, wenn es um wirkliche Unterstützung, um die Öffnung der heimischen Märkte für Zucker, Fleisch, Stoffe, Schuhe oder einfache Elektronik aus Kenia, Bangladesh und Brasilien geht, stellen sich die angeblichen Helfer plötzlich taub. Almosen gerne, aber faire Handelspraktiken, nein danke, heißt die Devise. Da haben immer noch die Interessen der heimischen Bauern und Fabrikanten Vorrang, selbst wenn sie mit ihren unrentablen Produktionen längst auf das Altenteil gehörten.