Von Gunhild Lütge und Helmut Becker

Sie steuern Raketen und Kernkraftwerke, lenken Flugzeuge und stecken neuerdings auch in Turnschuhen, um die Leistung ihres sportbegeisterten Trägers zu messen: Mikrochips.

Je kleiner diese elektronischen Grundbausteine werden, desto größer fallen in der Regel die Worte aus, wenn es darum geht, ihre Bedeutung zu beschreiben: Von strategischen Waffen für die Volkswirtschaft ist die Rede, von Schlüsseltechnologie, aber auch von Abhängigkeit, ähnlich wie sie sich für die rohstoffarme Bundesrepublik beim Öl ergeben hat.

Um so bedrohlicher scheinen jene Meldungen aus den USA und Japan, die von möglichen Vereinbarungen beider Länder über Preiskontrollen auf dem rapide wachsenden Markt berichten. Entsteht ein transpazifisches Preis- und Kalkulationskartell?

Seit langem ärgern sich die amerikanischen Chipproduzenten über die japanische Konkurrenz im Lande. Ihr wird vorgeworfen, mit Dumpingpreisen zu operieren, also Preisen, die unter den Herstellungskosten liegen. Das gilt nicht nur als unfein, sondern kann auch zu harten Sanktionen führen – sollten den Vorwürfen auch Beweise folgen. Doch die sind einfacher gefordert als herbeigeschafft. Die Beweisaufnahme ist äußerst schwierig und könnte länger dauern als die Lebensphase der Produkte. Es geht um eine spezielle Art von Chips, die Speicherchips, die das Gedächtnis von Computern bilden. Sie machen die Masse des gesamten Chip-Marktes aus, der in den neunziger Jahren auf 230 Milliarden Mark wachsen soll und damit den Automobilmarkt irgendwann überrunden dürfte.

Selbst Fachleute geraten noch ins Schwärmen, wenn sie die Leistungssteigerung der elektronischen, fingernagelgroßen Plättchen beschreiben: Hätte es in der Autoindustrie eine ähnliche Entwicklung gegeben, kostete heute ein Mittelklassewagen nur noch zwei Mark, und er könnte mit einem Liter Sprit einmal um die Erde fahren.

Doch was Techniker fasziniert, bereitet den Kaufleuten eher Sorgen. Der Aufwand für die Produktion der hoch empfindlichen High-Tech-Produkte steigt nämlich ständig, doch die Phase, in der mit einer neuen Chipgeneration Geld zu verdienen ist, wird immer kürzer. Während der Preis des 64 Kilobit-Chips – er kann etwa vier Schreibmaschinenseiten speichern – noch sechs Jahre brauchte, um von über hundert Mark auf fünf Mark zu sinken, absolvierte sein Nachfolger, der 256 Kilobit-Chip, diesen Sturzflug in nur knapp drei Jahren.