Von Hans Otto Eglau

Einen gutdotierten Managerposten in der Wirtschaft, das wäre etwas nach dem Geschmack des Juristen Volker Grub gewesen. Doch überall, wo er sich 1964 als Assistent in der Geschäftsführung bewarb, handelte er sich Absagen ein. Für die karriereträchtigen Schlüsselstellungen in den Vorzimmern der Macht waren Betriebswirte gefragter. „Der Einstieg für Juristen“, so mußte Grub erfahren, „klappte nur über die Rechtsabteilung.“

22 Jahre später hat es der ehrgeizige Schwabe weitergebracht, als er es je zu hoffen wagte. Er managt nicht nur bekannte Unternehmen, er tut dies sogar wesentlich freier und selbständiger als seine „Kollegen“ in den Führungsetagen der Industrie. Wenn er ganze Gesellschaften zerlegt, Teile von ihnen stillegt, andere verkauft, wieder andere selber fortführt, reden ihm weder Aufsichtsräte noch Gewerkschaften oder Banken dazwischen. Über den Makel, daß er seine Führungskunst nur bei den denkbar schlechtesten Adressen erprobt, kann der Stuttgarter Anwalt gelassen hinwegsehen: Volker Grub ist nämlich Konkursverwalter, der Umgang mit Pleitefirmen mithin für ihn Berufsschicksal.

Statt in der Rechtsabteilung eines Unternehmens, ließ sich der Forstrats-Sohn zunächst als Anwalt nieder und – „da Konkurse etwas mit Wirtschaft zu tun haben“ – gleich in die Liste der Konkursverwalter aufnehmen. Ihm kam dabei zugute, daß dieser Beruf praktisch keine Zugangsbeschränkungen kennt. Grub: „Man braucht keine Lizenz, muß nicht einmal Jurist sein.“

Das unklare Berufsbild macht es einigermaßen schwer, die Zahl der in der Bundesrepublik praktizierenden Konkursverwalter exakt zu ermitteln. Kontinuierlich wickeln nicht viel mehr als hundert Verwalter Vergleichs- oder Konkursverfahren ab; hinzu kommen schätzungsweise 600, die nur gelegentlich einen Insolvenzfall übernehmen.

Zur eigentlichen Creme der Zunft darf sich jedoch nur ein kleiner Club von meist regional tonangebenden „Platzhirschen“ zählen, deren Namen immer dann ins Spiel kommen, sobald große und bekannte Firmen in Schwierigkeiten geraten sind. Das am längsten erprobte Mitglied dieser Star-Riege ist zweifellos der Bremer Hans-Richard Schulze, der unter anderem beim Konkurs der Autofirma Borgward und der westfälischen Textilgruppe Van Delden gerufen wurde.

Der größte Insolvenzfall der Nachkriegszeit, der Vergleich des AEG-Telefunken-Konzerns im Jahre 1982, verhalf dem Frankfurter Wilhelm Schaaf zu ungeahnter Publizität. Weiter südlich machen Jobst Wellensiek in Heidelberg (Korf, Neff) und Hans Ringwald in Stuttgart (Dual, Zanker) regelmäßig von sich reden. Wo ihre mit Kleinstpleiten betrauten Kollegen einfach liquidieren und – sofern noch Masse vorhanden ist – den Rest an die Gläubiger verteilen, ist der Ehrgeiz der Spitzenverwalter vornehmlich darauf gerichtet, bedrohte Betriebsteile durch Verkauf an geeignete Interessenten am Leben zu erhalten.