DIE ZEIT

Auf dem Holzweg

Je länger die Asyldiskussion andauert, desto mehr gerät die DDR unter Anklage. Doch wer meint, sie allein sei die Quelle allen Übels, der täuscht sich und sein Publikum.

Peinlichkeit

Wo unsagbares Grauen so zum Himmel schreit wie an dem Ort, der Auschwitz heißt, kann vielleicht nur Schweigen ein dauerhaftes Sühnezeichen setzen – so wie es zehn still betende Nonnen des Karmeliten-Ordens tun, die am Rande des KZ-Geländes im einstigen Lagerhaus ein Kloster eingerichtet haben.

Reden, Rüsten, Raketen-Rasseln

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben zusammen rund 50 000 Atomwaffen in ihren Zeughäusern, darunter 22 000 Sprengköpfe strategischer Reichweite.

Post-Bayreuth

Wenn Richard Wagner heute lebte, arbeitete er in Hollywood – meinte schon vor zwanzig Jahren sein Enkel Wieland. Dessen Bruder Wolfgang, der als Bayreuther Festspielleiter und damit Testamentsvollstrecker das Festspielhaus mit Vorliebe als „Werkstatt“ bezeichnet, will jetzt die Konsequenzen ziehen: Im kommenden Jahr soll der Filmregisseur Werner Herzog, der nach eigenen Worten noch kein halbes Dutzend Opern gesehen hat, aber im italienischen Bologna so Deutsches wie Busonis „Faust“ in Szene setzte, den „Lohengrin“ inszenieren.

Januskopf

Nicht nur die Vereinigten Staaten sind eine Zwei-Ozean-Macht, auch die Sowjetunion blickt janusköpfig über zwei Meere auf die Welt, Asien gleichermaßen zugewandt wie Europa.

Worte der Woche

„Ich vertrete hier nicht nur zwölf Regierungen, sondern auch Werte, die in den Feuern von zwei Weltkriegen ihre Bewährungsprobe bestanden: Versöhnung statt Konflikt, Konsens statt Zwang, Freiheit statt Vorherrschaft.

Zeitspiegel

China soll modern und weltoffen werden. So will es die Kommunistische Partei. Stolz bilanziert sie die Erfolge, verschweigt aber auch die Defizite nicht.

Wolfgang Ebert: Taktlos

Feller: Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, wir dürfen in unserem Studio einen hochverehrten Gast begrüßen, keinen Geringeren nämlich als den bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, dem ich zugleich im Namen von Millionen von Zuschauern meinen tiefen Dank dafür aussprechen möchte, daß er den Weg zu uns gefunden hat.

Poker um die Weltraumwaffen

Gezügelter Optimismus herrscht im Weißen Haus: Daß der sowjetische Parteichef Gorbatschow noch in diesem Jahr nach Washington kommt, wahrscheinlich im Dezember, gilt nun als so gut wie sicher.

Protest in Chile: Weicht Pinochet?

Die Plastikbombe, 450 Gramm schwer und elektrisch ferngezündet, explodierte am Freitag vergangener Woche etwa dreißig Meter vom Amtssitz des chilenischen Diktators Pinochet entfernt.

Flick-Prozeß: Der Vor-Freispruch

Der de-facto-Freisprach für Otto Graf Lambsdorff und seinen Vorgänger im Amt des Bundeswirtschaftsministers, Hans Friderichs, von der Anklage der Bestechlichkeit, hat zwei verdienten Politikern ihre Ehre wiedergegeben.

Asylrecht: Nachhilfeunterricht in Sachen Berlin

Das Verständnis für die politische Situation unserer Stadt ist nicht weit verbreitet, Nachhilfe in Sachen Berlin ist angebracht", meint der Berliner Innensenator Wilhelm Kewenig.

Gnadenrente für Otto John

Otto John, erster Chef des Bundesverfassungsschutzamtes, der am 20. Juli 1954 plötzlich in Ost-Berlin auftauchte und 1956, nach seiner Rückkehr, wegen landesverräterischer Fälschung und Konspiration verurteilt wurde, erhält künftig auf Geheiß des Bundespräsidenten einen Gnadenunterhaltsbeitrag.

Nicaragua: Mord an Helfer

Der Anschlag ereignete sich in einer unruhigen Region im Norden Nicaraguas nahe der Stadt Wiwili, gut 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Managua.

Terroristen: Keine heiße Spur

Nach dem Attentat auf den Siemens-Manager Beckurts und seinen Fahrer Groppler hatte Generalbundesanwalt Rebmann vor möglichen weiteren Anschlägen der RAF gewarnt.

BONNER BÜHNE: Wenig Zeit zum Nachdenken

Urlaubszeit: Da denkt man schon mal über sich selber nach. Gewiß ist es kein Zufall, wenn gerade jetzt auch Parlamentarier ihr eigenes Tun und Lassen betrachten, nicht nur wegen der bevorstehenden Wahl.

„Für eine sichere Welt“

Oft hat ihn erschreckt und erzürnt, was er in einem langen politischen Leben erfahren mußte: „Es besteht ernsthaft die Gefahr, daß gerade das Bestreben, uns gegen jede erdenkliche Gefahr abzuschirmen, die Aussicht zunichte macht, jemals zu einem Übereinkommen zu gelangen.

Wahlen in Thailand

Voller Genugtuung kommentierte die Bangkok Post den friedlichen Verlauf der Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag: Thailand, so meinte die Zeitung, stehe am "Beginn eines neuen Zeitalters der Demokratie".

Das Erbe und die Erben

Die Semper-Oper in Dresden wurde zweimal zerstört und jetzt zum zweiten Male wieder aufgebaut. Die DDR hat sich das sieben Jahre Arbeit und 250 Millionen Mark kosten lassen.

"Kulturvoll"

Vom Massentourismus ahnen die Bewohner der DDR noch nicht viel, aber was sie als erste Anzeichen davon erleben, bestätigt die Fraktion der Puristen in ihrer Meinung: "Kulturvoll" ist er nicht.

DDR-Miniaturen (VII): Frauen von drüben

Die Gesprächspartner auf unserer Reise waren meist Männer. Frauen gossen den Kaffee ein, servierten das Essen. Wir redeten vor allem mit Politbüromitgliedern, Bezirksparteisekretären, Generaldirektoren, Ministern.

Ein Kloster macht dicht

Entsetzlich schrill rasselt die Glocke. Der Besucher scheut sich, ein zweites Mal das Klingelknöpfchen zu drücken, obwohl jetzt, nach fünf Minuten, noch niemand die schwere Eichentüre geöffnet hat.

Ein Alibi der Reichen

Wer heute als Entwicklungshelfer in die Dritte Welt geht, braucht viel Idealismus und Elan: Denn egal ob in Manila, Ouagadougou oder Mexico City – die Situation ist deprimierend: Die Armut wächst, die Erfolge der Helfer sind bescheiden, die Rückschläge groß.

Mit der Geduld am Ende

Sie wollten ein Zeichen setzen. 368 Frauen und Männer ließen die Öffentlichkeit am vergangenen Wochenende wissen: „Wir kaufen keine Früchte aus Südafrika.

Atomenergie: Arrogant

Die „nukleare Community“ aus Atomindustrie und Stromwirtschaft steht nicht erst seit Tschernobyl im Kreuzfeuer der Kritik, die nicht immer sachlich ist.

Umwelt: Bleihaltig

Geht es wieder einmal nur mit Verboten? Freiwillig nehmen zu wenig deutsche Autofahrer das Gebot der Stunde an, bleifreies Benzin in ihren Motoren zu verfeuern.

Bonner Kulisse

In den Schubladen des Bundesfinanzministeriums schlummert ein Gesetzentwurf, der noch einigen Wirbel verursachen könnte. Am 16.

Mikroelektronik: Immer schneller und riskanter

Je kleiner diese elektronischen Grundbausteine werden, desto größer fallen in der Regel die Worte aus, wenn es darum geht, ihre Bedeutung zu beschreiben: Von strategischen Waffen für die Volkswirtschaft ist die Rede, von Schlüsseltechnologie, aber auch von Abhängigkeit, ähnlich wie sie sich für die rohstoffarme Bundesrepublik beim Öl ergeben hat.

Konkursverwalter: Immer unter Spannung

Einen gutdotierten Managerposten in der Wirtschaft, das wäre etwas nach dem Geschmack des Juristen Volker Grub gewesen. Doch überall, wo er sich 1964 als Assistent in der Geschäftsführung bewarb, handelte er sich Absagen ein.

Österreich: Wende in Wien

Von der Privatisierung staatlicher Betriebe hielten Österreichs Sozialisten bisher nur wenig. Doch in jüngster Zeit scheint sich ein Sinneswandel anzudeuten.

MARKT-REPORT: In Wartestellung

Die Talfahrt der Aktienkurse scheint gebremst. Von den Banken sind vorsichtige Anlageempfehlungen zu hören. Zur Stimmungsbesserung hat der Zwischenbericht der Dresdner Bank entscheidend beigetragen.

Die billige Alternative

ZEIT: Herr Giesel, Ihr Unternehmen wirbt in großformatigen Anzeigen für das Heizöl und die Ölheizung........................

ZEITRAFFER

Die Verbraucherpreise gehen weiter zurück. Bundesdeutsche Privathaushalte mußten im Juli 0,5 Prozent weniger ausgeben als ein Jahr zuvor, um ihren Lebensstandard aufrechtzuerhalten.

LÄNDER IM VERGLEICH

Die Deutschen leisten sich einen Luxus besonderer Art, der in keiner der üblichen Wohlstandsstatistiken zum Ausdruck kommt: Sie arbeiten weniger als alle übrigen Industrievölker – gemessen in Stunden, nicht nach der Produktivität.

MANAGER UND MÄRKTE

Vizeweltmeister hin, Vizeweltmeister her – die Millionenschar der Sachverständigen am Tresen und vor dem Bildschirm neigt wohl eher zu der Ansicht, daß es brotlose Kunst war, was die Profis der Fußballbundesliga ihren Fans in der vergangenen Saison geboten haben.

Zurück vom Mond

Donald C. Burr wurde erst unruhig, als seine Mutter ihm erzählte, daß sie einen Flug bei den American Airlines gebucht habe und nicht bei „seiner“ Fluglinie, der People Express Airlines.

Japan: Nakasones trickreicher Kampf

Für mich existiert kein Nakasone-Flügel und auch keine LDP“, schwor Japans Premier und Chef der regierenden Partei im Wahlkampf.

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