Wer Mitte April zu den damaligen Höchstständen am deutschen Aktienmarkt eingestiegen ist, mußte seitdem viel Lehrgeld bezahlen. Denn mittlerweile sind die Notierungen kräftig gefallen, im zwischenzeitlich erreichten Jahrestief um nicht weniger als 25 Prozent. Manche Papiere verloren sogar noch stärker an Wert. Hierzu zählen etwa Lufthansa, Mannesmann oder KHD.

Mit den sinkenden Aktienkursen schmolzen auch die Umsätze dahin. Noch zu Beginn des Jahres mußte die Handelszeit häufig verlängert werden, die Frankfurter Börse meldete Rekordumsätze von rund 1,5 Milliarden Mark täglich. Heute sind die Makler schon froh, wenn ein Drittel davon erreicht wird.

Ein Blick auf die Entwicklung des Dollarkurses (siehe nebenstehende Graphik) zeigt, daß die heimischen Börsen seit Januar ganz im Bann der US-Währung stehen. Tendiert der Greenback schwach, legen auch hierzulande die Aktien den Rückwärtsgang ein.

Aber nicht nur der labile Dollar machte den Börsianern in den vergangenen Wochen arg zu schaffen. Hinzu kamen Meldungen, wonach sich arabische Anleger von deutschen Aktien trennen würden, um ihre leeren Kassen aufzufüllen. Vor allem das Scheichtum Kuwait soll seine Bestände fleißig abgebaut haben.

Der noch im Frühjahr herrschende Optimismus an den Börsen ist während der Sommerflaute in einen weit um sich greifenden Pessimismus umgeschlagen. Viele Börsianer erwarten trotz der jüngsten Erholungsansätze vorerst keine nachhaltige Besserung. Sie blicken verängstigt auf den Dollar und rechnen erst für den Herbst wieder mit steigenden Kursen. Dieser Attentismus könnte sie freilich teuer zu stehen kommen. Denn vieles spricht dafür, daß es an der Börse erheblich schneller wieder aufwärts geht.

An den positiven konjunkturellen Daten in der Bundesrepublik wird sich so bald nichts ändern. Zwar läuft der Exportmotor nicht mehr auf Hochtouren, doch sorgt der zunehmende Privatverbrauch für eine Belebung der Binnenwirtschaft. Die Konjunktur-Auguren halten deshalb an ihrer Hochrechnung fest und rechnen für dieses Jahr mit einem realen Wirtschaftswachstum von drei Prozent. Da die Ölpreise unverändert niedrig sind, bleibt der Geldwert stabil. Zudem stehen die Chancen, daß sich die Zinsen bis zum Jahresende weiter zurückbilden, nicht schlecht. Die amerikanische Notenbank gab bereits den Startschuß für eine neue internationale Zinssenkungsrunde, der Frankfurt und Tokio bislang noch nicht gefolgt sind. Da die D-Mark ihre Stellung im Europäischen Währungssystem (EWS) zunehmend festigt, wird jedoch auch Bundesbankchef Pohl nicht umhinkönnen, die Zinsschraube weiter zu lockern.

Die wichtigste Frage für die deutsche Börse bleibt jedoch, wann die ausländischen Anleger wieder als Käufer zurückkehren. Die Entwicklung in den Sommermonaten hat gezeigt, daß ohne diese Investoren-Gruppe einfach nichts läuft. Das Interesse ausländischer Anleger dürfte indessen nicht mehr lange auf sich warten lassen. Schließlich sind deutsche Aktien im internationalen Vergleich sehr billig. Während in Wall Street ein durchschnittliches Kursgewinnverhältnis von 17 bewilligt wird, liegt diese Ziffer hierzulande nicht einmal bei 11. Zahlreiche erstklassige Standardwerte, wie beispielsweise die drei Farben-Titel Bayer, BASF oder Hoechst werden noch weitaus niedriger bewertet. Es gehört deshalb nicht viel Mut dazu, den Ausländern zuvorzukommen, um die gegenwärtigen Schlußverkaufskurse zu Käufen zu nutzen.