Robben und Wale sind nun doch nicht gefräßiger als die übrigen Säugetiere. Lange wurde ihnen unterstellt, sie würden sehr viel Energie brauchen, um sich in ihrem kühlen, nassen Lebensraum warmzuhalten. Diese Ansicht widerlegten kanadische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Canadian Journal of Zoology. Ihre Messungen ergaben, daß Robben und Wale etwa ebensoviel Energie verbrauchen wie gleich große Landsäugetiere. Ein schwimmender Mensch kühlt rasch aus; Seehunde und Delphine hingegen können mit ihrer isolierenden Speckschicht eine solche Energieverschwendung vermeiden. Die Tiere bleiben auch im kalten Wasser warm, ohne ihren Energieumsatz steigern zu müssen. Da Robben und Wale keinen größeren Appetit entwickeln als Landsäugetiere, haben sie vermutlich weniger Einfluß auf die Nahrungskette der Weltmeere, als die Wissenschaftler bisher glaubten. Für uns Menschen sind sie keine Konkurrenz. Wir können als einzige Lebewesen unseren Jagdeifer so übertreiben, daß ein Fischbestand zusammenbricht.

Diemut Klärner