Vizeweltmeister hin, Vizeweltmeister her – die Millionenschar der Sachverständigen am Tresen und vor dem Bildschirm neigt wohl eher zu der Ansicht, daß es brotlose Kunst war, was die Profis der Fußballbundesliga ihren Fans in der vergangenen Saison geboten haben. Das Deutsche Fernsehen sieht das anders. Der Deutsche Fußballbund unter seinem bemerkenswerten Präsidenten Hermann Neuberger hat ARD und ZDF die atemberaubende Summe von sechzehn Millionen Mark für das Recht abverhandelt, in ihren Sportsendungen über die Spiele der kommenden Profi-Saison berichten zu dürfen. Die Preissteigerung gegenüber dem Vorjahr beträgt satte 33 Prozent.

Weniger die Ballkünste der Völler, Allofs und Co. allerdings dürften die Fernsehgewaltigen dazu bewogen haben, den DFB derart finanziell zu verwöhnen. Sie fürchten vielmehr die Konkurrenz privater Fernsehanbieter wie SAT 1, die ihnen ihm vergangenen Jahr mehrfach mit teuer eingekauften Sportsendungen die Schau gestohlen hatten. SAT 1 winkte dem DFB auch jetzt mit achtstelligen Beträgen. Über zwölf Millionen Mark wollten die Privatsender dem Fußballbund für das Recht zahlen, einmal pro Woche ein besonders interessantes Spiel Life zu übertragen. Doch der DFB mochte nicht. Solange die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten jeden Preis zahlen, muß er schließlich Geldnöte nicht fürchten.

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Das Verfahren um den Status der Gemeinnützigkeit der Neuen Heimat in Nordrhein-Westfalen droht zu einer peinlichen Posse für das Regierungspräsidium in Düsseldorf zu werden. Weil die Beamten der Oberfinanzdirektion hartnäckiger sind, als offensichtlich erwartet, läuft das Amt Gefahr, seine vorschnell und mit fadenscheinigen Argumenten getroffene Entscheidung wieder rückgängig machen zu müssen. In die Zwickmühle geraten auch Städtebauminister Christoph Zöpel und selbst SPD-Kanzlerkandidat Johannes Rau.

Anfang Juli hatte die Verwaltungsbehörde in einer Entscheidungsvorlage für den Minister geurteilt, die Gemeinnützigkeit müsse der Regionaltochter des gewerkschaftseigenen Wohnungsbaukonzerns nicht aberkannt werden, obwohl die Finanzbeamten wiederholte Verstöße gegen diesen Status nachgewiesen hätten. Die merkwürdige Begründung: Solche Gesetzesverstöße könnten rückgängig gemacht werden, seien nachträglich „heilbar“. Doch damit nicht genug.

Bei ihrer Entscheidung handelten die Regierungspräsidialen offensichtlich auch voreilig. Schon bei einem Abschlußgespräch aller Beteiligten im Juni hatte die Oberfinanzdirektion gebeten, noch zu warten, weil es „neue Sachverhalte, Gesichtspunkte und Erkenntnisse“ gebe, die geprüft werden müßten. Die Eile begründet Dieter Hanz, Pressesprecher des Regierungspräsidenten heute damit, daß sich die Finanzbeamten „unklar ausgedrückt“ hätten.

Zwar sind die bis heute nicht offiziell von dem Beschluß informiert worden, doch was sie hören und lesen konnten, paßte ihnen wohl gar nicht. So schoben sie jetzt Material nach, das so hart ist, daß der Fall noch einmal aufgerollt werden muß und als deutliche Warnung für Zöpel verstanden werden kann. Der muß nämlich jetzt mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht rechnen, wenn das Regierungspräsidium bei seinem ursprünglichen Urteil bleibt und er dieses bestätigt.