Antisandinistische Rebellen haben am Montag bei einem Überfall fünf Menschen getötet, daranter den deutschen Aufbauhelfer Bernhard Koberstein.

Der Anschlag ereignete sich in einer unruhigen Region im Norden Nicaraguas nahe der Stadt Wiwili, gut 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Managua. Das Auto der Helfer wurde aus dem Hinterhalt mit automatischen Waffen beschossen. Dabei starben zwei nicaraguanische Staatsbedienstete, ein Schweizer, ein Franzose und der Deutsche Bernhard Koberstein. Er war an dem Projekt einer Wasserversorgung für Wiwili, eine Partnerstadt Freiburgs, beschäftigt und wollte bis zum Frühjahr 1987 bleiben. Das Unternehmen wurde von der Stadt Freiburg finanziert und auch von der Europäischen Gemeinschaft unterstützt.

Wiwili, im Nordteil Nicaraguas, liegt so nahe an der Grenze zu Honduras, daß Contra-Gruppen aus dem Nachbarland leicht bis in diese Region vorstoßen können. Staatspräsident Ortega hat, wie er am Dienstag vor dem UN-Sicherheitsrat verkündete, Beschwerde beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag gegen Honduras und Costa Rica eingelegt, weil diese Staaten Rebellen Unterschlupf gewähren – was Costa Rica freilich 1978/79 auch den Sandinisten im Kampf gegen Somoza erlaubte.

Im Mai hatten Contras acht deutsche Aufbauhelfer als Geiseln genommen und erst nach langwierigen Verhandlungen mehr als drei Wochen später freigelassen. Das Auswärtige Amt hat seitdem häufiger die mehr als 200 Freiwilligen (neben gut 70 „offiziellen“ Entwicklungs-Helfern) vor der Gefahr gewarnt, denn absoluten Schutz gegen die Contras können auch bewaffnete Sandinisten nicht bieten. Der Krieg der von den Vereinigten Staaten finanzierten Contras ist längst zum Terror herabgesunken – Anschläge gegen Personen oder Einrichtungen, die mit viel Mühe aufgebaut worden sind.

Die deutschen Aufbauhelfer – jährlich reisen etwa 20 Gruppen zu je zwölf bis zwanzig Mitgliedern – bezahlen Anreise und Aufenthalt selbst. Die Projekte werden durch Sammlungen oder Patenschaften (etwa von Städten) finanziert und sollen – neben der damit bekundeten Solidarität – einen Ausgleich für die von der christlich-liberalen Koalition auf Druck Washingtons reduzierte Entwicklungshife bieten. Gerade wegen dieses Doppel-Effektes sind sie Ziel der Contras.

Managua versucht, auf zwei Wegen der Bedrohung Herr zu werden. Einmal verstärkt es seine Luftwaffe mit Hubschraubern, die sich als besonders effektiv beim Aufspüren der feindlichen Gruppen erwiesen haben; die Contra plant dagegen, mit Hilfe der vom Kongreß bewilligten 100 Millionen Dollar tragbare Flugabwehr-Raketen zu beschaffen. Zum anderen bemühen sich die Sandinisten, die Vereinigten Staaten als Aggressoren anzuprangern und – seit Washington eine Verurteilung durch den Internationalen Gerichtshof abwehrte – durch die Vereinten Nationen verurteilen zu lassen.

Wie viele Tote der schmutzige Krieg schon gefordert hat, ist ungewiß – wahrscheinlich mehrere tausend; darunter knapp dreißig Bürger westlicher Staaten, etwa die doppelte Anzahl osteuropäischer Helfer. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. Die Contra – heute eine Söldnerbande unter korrupter Führung – hat längst ihren Plan aufgeben müssen, ein Stück Nicaraguas zu besetzen und eine Gegenregierung auszurufen. Dazu reichen weder ihre Kräfte noch die Zustimmung aus der Bevölkerung. Hingegen sind sie ihrem Ersatzziel sehr nahegekommen, das Land zu ruinieren, direkt und indirekt durch die immense Aufrüstung, die Managua mit dem schmutzigen Krieg vor seinen besorgten Nachbarn rechtfertigt. H. B.